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nordwest-zeitung

Unternehmen In Zetel „Wenn wir nicht helfen, wer dann?“

Zetel - Nach einem Krankenhausaufenthalt helfen sie im Haushalt, sie betreuen demenzkranke Menschen und haben ihre Kunden schon oft bis zum letzten Atemzug begleitet: Die Mitarbeiter der Firma „Lebenswege“ in Zetel helfen dort, wo Familienangehörige und ehrenamtliche Helfer fehlen oder sich der Einsatz für Pflegedienste nicht mehr rechnet. „Es geht mir nicht darum, das schnelle Geld zu machen“, sagt die Inhaberin der Firma „Lebenswege“ Daniela Rudolph. „Aber wenn wir nicht helfen, wer dann?“

100 feste Kunden

Zehn Mitarbeiter hat das Unternehmen, sie kümmern sich um alte und kranke Menschen, helfen beim Aufsetzen von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht und übernehmen nach dem Tod auch Testamentsvollstreckung und Grabpflege.

Eigentlich wollte sich Daniela Rudolph ehrenamtlich engagieren. Schnell ist daraus ein Unternehmen geworden, das sich vor Anfragen kaum retten kann. „Ich wollte nur etwas Soziales tun“, sagt die 50-Jährige. „Mein Schwiegervater ist blind, mein Mann ist taub. Es war mir immer ein Anliegen, Menschen zu helfen, und ich wollte mich noch mehr einbringen“, sagt sie.

Die Zetelerin arbeitet als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und beschloss vor rund fünf Jahren, ehrenamtliche Betreuerin zu werden. „Aber der ältere Herr wollte gar nicht so recht eine Betreuung, so haben wir uns geeinigt, dass meine Hilfe über die Vorsorgevollmacht läuft. Doch dann, habe ich zu ihm gesagt, müsse ich ihm für meine Leistungen auch eine Rechnung schreiben. Und dafür musste ich mich ja erstmal selbstständig machen.“

Zu Anfang hatte sie eine Mitarbeiterin, doch mit der Nachfrage wuchs auch ihre Firma. Zehn Frauen arbeiten jetzt bei „Lebenswege“ – darunter sind Pflegefachkräfte, Sozialassistenten, eine Hotelfachangestellte und viele Quereinsteiger. „Wichtig ist mir, dass die Mitarbeiterinnen zuverlässig und mit dem Herzen dabei sind“, sagt die Chefin.

Kampf mit Kassen

Rund 100 feste Kunden hat das Unternehmen. Sie nehmen vor allem die sogenannten Entlastungsleistungen in Anspruch – das sind Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen und bei der Grundpflege. Je nach Kasse übernehmen die Pflegekassen dafür bis zu 125 Euro im Monat. „Das ist nicht viel, das reicht für zweieinhalb Stunden alle zwei Wochen“, sagt Daniela Rudolph. Und auch die Fahrtkosten seien darin schon enthalten.

Idealismus und Kosten

Als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte hat Daniela Rudolph keine Scheu vor Behörden und ficht so manchen Kampf um Kostenbewilligungen mit Krankenkassen aus. Denn auch bei der Firma „Lebenswege“ muss sich der Einsatz der Mitarbeiter für das Unternehmen rechnen. „Natürlich können wir das nicht umsonst machen. Aber bei unserem Job geht es auch darum, ein offenes Ohr zu haben, man baut eine Beziehung zu den Kunden auf. Deswegen bleiben meine Mitarbeiterinnen auch schonmal unentgeltlich länger. Man kann da nicht immer auf die Uhr gucken. Wir sind idealistisch, viel Geld verdient man mit den Entlastungsleistungen nicht. Aber ich habe zum Glück ganz tolle Mitarbeiter“, sagt Daniela Rudolph.

Eine von ihnen ist Ina van Rahden. „Man muss schon mit Herzblut dabei sein“, sagt die 53-Jährige. Zurzeit ist sie jeden Tag acht Stunden bei der gleichen Kundin: Sie hilft einer jungen Mutter, die an Krebs erkrankt ist, und betreut deren zweijähriges Kind. „Es ist für mich wirklich ungewohnt, mich wieder um ein Kleinkind zu kümmern, meine Kinder sind ja schon groß.“ Doch die Arbeit gebe ihr viel zurück.

Manchmal aber frage sie sich, wieso gerade bei älteren Menschen nicht die Angehörigen mehr helfen und zum Beispiel ihren Eltern beim Einkaufen oder im Haushalt helfen. „Das ärgert mich manchmal. Wollen die Menschen ihren Eltern nichts zurückgeben?“ Die Menschen seien immer mehr auf sich alleingestellt, findet Ina van Rahden.

Deswegen sei es auch kein Wunder, dass die Firma „Lebenswege“ viele Aufträge bekomme. „Wir haben im Jahr 2019 zwei Drittel mehr Aufträge gehabt als 2018“, sagt Daniela Rudolph. Viele Anfragen kämen direkt vom Vareler Krankenhaus. Manchmal werde es dann schon schwierig, die Einsätze zu koordinieren. „Aber wir versuchen, alles möglich zu machen. Schließlich wollen wir den Menschen helfen.“

Kontakt

„Lebenswege“ in Zetel ist erreichbar unter Tel. 04453/4838165, per Mail: lebenswege.dr@ewe.net.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
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