Zetel - In der Gemeinde Zetel gibt es zwei Grundschulen: Eine im Zeteler Ortskern und eine in Neuenburg. Ein gemeinnütziger Verein will jetzt eine dritte Grundschule gründen: die Freie Schule Friesland.
Mit dem Konzept geht der Verein jetzt an die Öffentlichkeit. Am Samstag laden die Initiatoren alle Eltern, Lehrer und Interessierte dazu in das Zeteler Kino an der Hauptstraße 7 ein. Los geht der Infonachmittag mit einer Filmvorstellung: Gezeigt wird der Film „Schools of Trust. Aufbruch zu den Schulen von Morgen“. Beginn ist um 14.30 Uhr (Eintritt frei). Der Film stellt die Arbeit von demokratischen Schulen in Deutschland und weltweit vor. Während der Vorführung gibt es ein Kinderspielangebot. Im Anschluss an die Vorführung informiert der Verein ab 15.45 Uhr über Möglichkeiten der Mitarbeit im Verein.
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Was ist eine freie Schule |
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Eine freie Schule befindet sich nicht in staatlicher Trägerschaft. Zu den freien Schulen zählen zum Beispiel Montessori- und Waldorf-Schulen. Diese Bildungseinrichtungen haben in der Regel besondere Ansätze – ihre Konzepte werden nicht wie bei staatlichen Schulen von der Landesschulbehörde vorgegeben. Die Schulen sind allerdings verpflichtet, den Schülern die gleichen Inhalte beizubringen wie staatliche Schulen, also in der Grundschule etwa Lesen, Schreiben und Rechnen.
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Wer will die freie Grundschule in Zetel gründen |
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Die Idee für den Verein „Freies Lernen in Friesland“ hatte die Neuenburgerin Daria Eggers. Sie hat drei Kinder, ihre älteste Tochter Wilma ist fünf Jahre alt. „Ich war auf der Suche nach einer geeigneten Schule für meine eigenen Kinder. Aber die freien Schulen, bei denen ich angefragt hatte, waren auf mehrere Jahre ausgebucht, darunter die Freie Humanistische Schule in Huntlosen. Also haben wir gesagt: Dann machen wir es eben selbst“, sagt Daria Eggers. Sie hat einen gemeinnützigen Verein gegründet, der zur Zeit neun Mitglieder hat. Dabei sind Eltern und Pädagogen aus Friesland, aber auch aus dem Ammerland und der Wesermarsch.
Gegen die staatliche Grundschule in Zetel habe sie natürlich nichts, sagt Daria Eggers. Der Verein wolle die Schullandschaft in Zetel ergänzen, das Angebot erweitern und sehe die geplante Schule nicht per se als die bessere Bildungseinrichtung für alle Kinder an. „Wir wollen eine Alternative anbieten“, sagt Daria Eggers. „Ich hätte grundsätzlich kein Problem damit, dass mein Kind auf eine staatliche Schule geht, diese Schulen leisten gute Arbeit. Aber sie sind Teil eines großen bürokratischen Apparates und deswegen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt.“ Das Schulsystem empfinde sie mit den vorgegebenen Strukturen, Lehrplänen und Methoden als relativ statisch. „Natürlich muss das alles von oben reguliert sein und seine Ordnung haben, schließlich werden die staatlichen Schulen aus Steuergeldern finanziert“, sagt die Kulturanthropologin. „Ich würde meinen Kindern aber beim Lernen gerne mehr Freiheiten bieten. Sie sollen mitentscheiden dürfen, wann sie was lernen wollen.“
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Wie konkret sind die Pläne für die freie Schule |
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Die Pläne für die neue Grundschule in Zetel sind durchaus konkret: Der Verein „Freies Lernen in Friesland“ ist seit Januar dabei, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Er ist mittlerweile ein eingetragener gemeinnütziger Bildungsverein und der Vorstand ist bereits mit möglichen Vermietern für einen Standort der Schule in Zetel im Gespräch. „Unser Programm ist soweit fertig und wird nun der Landesschulbehörde zur Prüfung vorgelegt. Geplant ist, dass die Schule zum nächsten Schuljahr im Sommer 2020 eröffnet.“
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Was will die freie Schule anders machen als die staatliche? |
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„Wir haben unseren eigenen Schwerpunkt entwickelt und bezeichnen das, was wir machen wollen, als Souveränitätspädagogik“, sagt Daria Eggers. Es gehe dabei um selbstbestimmtes Lernen: Die Kinder sollen mitentscheiden dürfen, wann sie was auf welche Art und Weise lernen möchten. Zudem habe der Verein für die Schule einen starken Umweltbildungsschwerpunkt gesetzt.
„Wir wollen, dass die Kinder ganz viel in konkreten Situationen lernen, themenorientiert, projektgebunden und experimentierend; und das alles ausgehend von den Vorstellung und Wünschen der Kinder.“ Natürlich: Lesen, Schreiben und Rechnen würden die Mädchen und Jungen genauso lernen wie an anderen Schulen auch. „Am Ende müssen unsere Schüler ja das Gleiche lernen wie an einer anderen Schule.“
Aber im Sachkundeunterricht zum Beispiel will der Verein neue Wege gehen. „Wir wollen mit den Kindern viel draußen lernen. Die Schule soll auch eigene Tiere haben, Pferde und Hühner zum Beispiel. Gelernt wird überwiegend in konkreten Handlungszusammenhängen.“
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Wie finanziert der gemeinnützige Verein die Schule |
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Freie Schulen nehmen öffentliche Aufgaben wahr: Die Kinder gehen an den Schulen ebenso ihrer Schulpflicht nach, wie an anderen Schulen. Deswegen gewährt das Land Niedersachsen eine Finanzhilfe. Allerdings unterstützt das Land die Schule erst im vierten Jahr ihres Bestehens. Bis dahin muss der Verein zeigen, dass die Schule bestehen kann und es wert ist, mit öffentlichen Mitteln unterstützt zu werden.
„Die ersten drei Jahre zu finanzieren ist ein Problem, das alle Schulen in freier Trägerschaft haben“, sagt Daria Eggers. Allerdings gebe es sozialökonomische Banken, die bereit wären, freie Schulen mit einem Kredit zu helfen. Mit einem solchen Kredit, der im besten Fall nach zehn Jahren wieder getilgt sein solle, wolle der Verein die Gründung der Freien Grundschule Friesland in Zetel unter anderem finanzieren.
Außerdem müssen die Eltern für ihre Kinder, wie an anderen freien Schulen auch, ein Schulgeld zahlen. Die Höhe steht noch nicht fest. „Es wird aber auch einige kostenfreie Plätze an der Schule geben, damit die finanzielle Situation der Kinder bei der Zusammensetzung der Schülerschaft keine Rolle spielt“, sagt Daria Eggers.
Untergebracht werden soll die Schule zunächst in Räumen, die der Verein in der Gemeinde Zetel mieten will.
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Wie geht es jetzt weiter |
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Der Verein „Freies Lernen in Friesland“ wird sich am Samstag, 24. August, beim Infonachmittag im Zeteler Kino an der Hauptstraße 7 zunächst öffentlich vorstellen. Jeder ist dazu willkommen. Die Politik der Gemeinde Zetel befasst sich in der nächsten Sitzung des Jugend-, Schul- und Sozialausschusses öffentlich mit dem Thema. Die Sitzung findet am Donnerstag, 5. September, statt und beginnt um 18 Uhr im Rathaus.
