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NWZonline.de Region

Festakt Für Rolf Seelheim In Oldenburg: Ära eines Blattmachers – NWZ-Chefredakteur hört auf

25.08.2016

Oldenburg „Weder Bundestag noch Landtag dürften heute beschlussfähig sein“, meint der scheidende NWZ -Chefredakteur Rolf Seelheim scherzhaft angesichts der 300 prominenten Gäste, die am Mittwoch aus Berlin, Hannover und der Region nach Oldenburg in das PFL gekommen sind, um ihn nach einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Redaktion der Nordwest-Zeitung in den Ruhestand zu verabschieden.

Gleich zu Beginn gibt der großartige Schauspieler Pavel Möller-Lück vom Oldenburger Theater Laboratorium mit einer Szene aus den „Bremer Stadtmusikanten“ die Tonalität für diese Trennung vor: Bloß keine Rührseligkeit, eher ein Schuss Galgenhumor.

Die Redner, allen voran Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), zeichnen Seelheim als „publizistisches, streitbares Schwergewicht“ und Vollblutjournalisten, der eine stolze Bilanz im Einsatz für die Demokratie vorweisen könne. „Er hat diese Zeitung als Leitmedium im Weser-Ems-Raum mit seinen meinungsstarken Kommentaren geprägt.“

Auch das kompromisslose Einsetzen für die Belange der Region, wie etwa gegen die Auflösung der Bezirksregierung, aber für die European Medical School (EMS), habe gezeigt, dass Medien etwas bewirken könnten. Und nicht zuletzt, so Weil, sei die Einwanderung der „knorrigen westfälischen Eiche“ Seelheim nach Niedersachsen gelungen.

Wie Weil auch, prognostiziert Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) den tief im Land verankerten Regional-Medien wie der NWZ  gute Chancen für den weiteren Wandlungsprozess in das digitale Zeitalter. „Und da haben wir noch längst nicht den Zenit erreicht“, prophezeit er.

NWZ -Gesellschafter Hartwig Köser, der für seinen erkrankten Vater – NWZ -Verleger Reinhard Köser – den Dank des MedienHauses überbringt, würdigt Rolf Seelheim als begnadeten Blattmacher. „Wie man eine gute Zeitung macht, das haben Sie immer wieder gezeigt.“ Aber auch das Gespür Seelheims, sich früh auf die digitalen Herausforderungen einzustellen, hebt er hervor und nennt NWZonline und die NWZ-APP. Rolf Seelheim übergebe seinem Nachfolger „ein gut bestelltes Haus“.

Auch Seelheim spart nicht mit Lob: „Diesen Verleger und die Gesellschafterfamilien Köser und von Bothmer kann sich ein Chefredakteur nur wünschen“, sagt er. Gekommen war Rolf Seelheim vor 26 Jahren aus Dortmund, um aus einer Region des Strukturwandels mit Zechensterben und Stahlkrise in ökonomisch ruhigeren Gefilden anzulanden. „Das erwies sich als großer Irrtum.“ Er traf auf den Kampf um die Olympia-Werke in Wilhelmshaven, das Ende des Flugzeugsbaus in Lemwerder und Werftenschließungen. Mit Mutmacher-Beilagen über die erfolgreiche heimische Wirtschaft setzte die Redaktion Hoffnung dagegen.

Als einen der Erfolgsbausteine in diesem Zusammenhang nennt Seelheim auch den vom NWZ -Verleger gegründeten Gesprächskreis Weser-Ems, in dem namhafte Entscheider aus Wirtschaft, Hochschulen, Politik und Verwaltung an einem Tisch saßen. Besonders hebt er die EMS hervor. Der kommen auch Seelheims Abschiedspräsente zugute, denn er hat auf Geschenke verzichtet und um eine Spende für den Förderkreis gebeten. Seelheim schaut auf besondere Ereignisse in seiner Ära zurück, etwa die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA, als er mit der Redaktion in Rekordzeit ein Extrablatt herausbrachte.

Aber er tut auch das, was Journalisten – die sich oft durch schlechte Mathematik-Noten auszeichnen – sonst gern vermeiden. Er rechnete vor, dass er 69 000 Stunden gearbeitet hat und davon 15 000 Stunden in Blattplanungs- und Redaktionskonferenzen verbracht hat.

Einen launigen Einblick in diese Redaktionskonferenzen und den Gestaltungswillen eines zwischen 6 Uhr morgens und Mitternacht nimmermüden Chefredakteurs gewährt Gaby Schneider-Schelling, Chefin vom Dienst. Schon Ministerpräsident Stephan Weil hat Seelheims „Ruhrpottcharme“ erwähnt. Sein Talent, die Dinge mehr als deutlich beim Namen zu nennen, skizziert auch die Chefin vom Dienst, etwa wenn es um die Fotos für die Titelseite geht, wo „wieder keiner die richtige Bildauswahl getroffen hat“. Solche Bilder könne auch seine Oma mit der Agfa-Klack machen. Ja, wenn er nicht alles selbst mache, dann gehe es eben doch wieder schief.....

Als Geschenk überreicht sie ihm ein gezeichnetes Unikat samt Brief des NWZ -Hauskarikaturisten Horst Haitzinger. Als Trophäe darf er das Chauvi-Sparschwein mitnehmen, in das Männer in Konferenzen einen Euro werfen müssen, wenn sie über Frauen lästern.

Ulrich Gathmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der NWZ -Mediengruppe, schildert, wie es Seelheim gelang, sein Bild von Chefredakteuren positiv zu revolutionieren: Denn Seelheim konnte mit Geld umgehen und hielt sich immer an das Budget. Er dankt ihm für den Respekt, den er den Leserinnen und Lesern entgegengebracht habe und dass es ihm mit seiner Arbeit gelungen sei, die Auflage der NWZ  über lange Zeit gegen den Trend stabiler zu halten als es der Branchendurchschnitt schaffte. 1992 und 2003 hatte Seelheim der NWZ  mit zwei Relaunches erfolgreich ein neues Gesicht gegeben.

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Am 1. September übernimmt Lars Reckermann (45), der bisher bei der Schwäbischen Post in Aalen an der Spitze stand, die Position des Chefredakteurs. Der Nordrhein-Westfale stellt sich als siebter Redner sympathisch vor. Er fühle sich im Nordwesten schon gut aufgenommen und habe fleißig ein Wort geübt, dass so viel aussage: „Moin!“

Am Ende hallt die Botschaft von Schauspieler Pavel Möller-Lück für Rolf Seelheim NWZnach. „Egal, was kommt: Du bist gewesen.“

Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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