Landkreis/Wildeshausen - Die Flüchtlingswelle erreicht jetzt auch immer stärker den Landkreis Oldenburg: Per Dekret des Innenministers werden noch in dieser Woche 1000 Flüchtlinge auf 20 Landkreise und kreisfreie Städte in Niedersachsen verteilt. Besonders betroffen ist der Landkreis Oldenburg. Bereits an diesem Sonnabend werden 100 Flüchtlinge erwartet, wie die NWZ in Hannover erfuhr. Weitere Kontingente von je 100 Menschen werden am Montag und am Donnerstag erwartet.
Kreis in Kategorie eins
Der Landkreis Oldenburg gehört – ebenso wie die Kreise Vechta und Cloppenburg – zur Kategorie 1 bei der Unterbringung von Flüchtlingen.
Am Mittwochabend tagte bereits der Krisenstab mit Landrat Carsten Harings, um die neue Lage zu beraten. „Wir wurden bisher nur fernmündlich informiert. Die schriftlichen Details haben wir aber noch nicht erhalten“, sagte Landkreis-Sprecher Oliver Galeotti am späten Abend auf NWZ -Nachfrage. An diesem Donnerstag um 9 Uhr wird der Krisenstab erneut tagen.
Galeotti wollte sich deshalb auch noch nicht zu der Zahl 300 äußern. Auch an welchen Tagen die zusätzlichen Flüchtlinge kommen, sei noch unklar. Und auch, wo sie untergebracht werden sollen.
Der CDU-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Ansgar Focke aus Ganderkesee sprach von „einer Bankrott-Erklärung der rot-grünen Landesregierung“.
Die ganze Woche sei im Landtag in Hannover über die Situation bei der Flüchtlingsunterbringung diskutiert worden. „In der Mittagspause erklärt Innenminister Boris Pistorius lapidar, dass jetzt die Züge aus Bayern in die niedersächsischen Kommunen umgeleitet werden. 300 Flüchtlinge in acht Tagen nur für den Landkreis Oldenburg. Das ist unverantwortlich!“
Vergangene Woche war man im Wildeshauser Kreishaus noch von folgenden Zahlen ausgegangen: Zu den bis Ende August aufgenommenen 746 Flüchtlingen müssen bis Ende Januar sukzessive 711 weitere Menschen plus 48 unbegleitete Jugendliche aufgenommen werden. Doch da diese Zahl noch auf der Schätzung von 800 000 Flüchtlingen für Deutschland in diesem Jahr basiert.
Notlager in Turnhalle
Erst am Montagabend hatte der Landkreis angekündigt, eine Notunterkunft für 50 Flüchtlinge in der Turnhalle der Wildeshauser Hunteschule einzurichten. Sofort verfügbar ist die Halle aber nicht. In der kommenden Woche sollen erst noch zusätzliche Sanitäranlagen eingebaut werden.
Heftige Kritik über die Informationspolitik gab es vom betroffenen SC Wildeshausen. Die Sportgruppen, die in der Turnhalle regelmäßig trainieren, erfuhren aus der Presse, dass die Halle Flüchtlingsunterkunft wird. Die Schulleitung wollte hingegen keinen Kommentar abgeben.
Eigentlich vom Tisch war der Fliegerhorst in Ahlhorn. Die Bunte-Gruppe hatte Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte angeboten. Da in Ahlhorn aber bereits sehr viele ausländische Arbeiter leben, hatte Bürgermeister Torsten Schmidtke derartige Pläne abgelehnt. Nun wird spekuliert, ob der Fliegerhorst angesichts der aktuellen Situation nicht doch wieder auf die Tagesordnung kommt.

