Hannover - In Niedersachsen soll zum 1. Mai das sogenannte Deutschland-Ticket (D-Ticket) eingeführt werden. Verkehrsminister Olaf Lies (SPD, Sande) sagte, es handele sich um eine „Riesenchance, Mobilität nachhaltig zu verändern“. Von einer „Revolution für die Tariflandschaft“ sprach gar Carmen Schwabl, die Geschäftsführerin der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG). Gemeinsam mit Vertretern von Verkehrsverbünden und Kommunen erläuterte Lies am Mittwoch in Hannover erste Details.
Was kostet das neue D-Ticket ?
Bundesweit einheitlich soll das neue D-Ticket 49 Euro kosten. Um das Projekt zu finanzieren, stellt der Bund in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung; 160 Millionen Euro kommen vom Land Niedersachsen. Ob es auch rabattierte Tickets für Studierende, Azubis oder Menschen mit geringem Einkommen geben wird, konnte Lies nicht sagen. Darüber werde auf Bundesebene verhandelt. Voraussichtlich werde in diesem Jahr keine Sozialkomponente mehr kommen.
Wo erhalte ich das D-Ticket ?
Das Deutschland-Ticket soll langfristig ein rein digitales Ticket sein. Dazu gibt es dann eine App fürs Smartphone. In der Startphase soll es eine barrierefreie Ausgabe auf Papier geben. Den Verkauf über Fahrschein-Automaten am Bahnsteig schloss Rainer Counen, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN), aus. Das Ticket werde in Niedersachsen bei den regionalen Verkehrsunternehmen vor Ort oder über die Website erhältlich sein. Lies betonte: „Wer bereits ein Abonnement beim Verkehrsbetrieb vor Ort hat, braucht nichts zu unternehmen. Die Verkehrsunternehmen melden sich rechtzeitig bei ihren Kundinnen und Kunden, wie es mit dem Abonnement weitergeht und wie sie bei Interesse in das Deutschlandticket-Abonnement wechseln können.“ Wichtig: Das D-Ticket soll es künftig nur im Abo, aber mit monatlicher Kündigungsfrist, geben. Der Vorverkauf beginnt voraussichtlich im April.
Welche Vorteile bietet das Ticket ?
Das D-Ticket gilt deutschlandweit im öffentlichen Personennahverkehr. Sonderregeln der Verkehrsverbünde und Tarifgrenzen spielen dann keine Rolle mehr. Das D-Ticket ist Nachfolgerin des 9-Euro-Tickets aus dem vergangenen Sommer. Dieses wurde zwischen Juni und August bundesweit rund 52 Millionen Mal verkauft. Das D-Ticket ist meist preiswerter als eine Monatsfahrkarte – erst recht, wenn diese für mehrere Verkehrsverbünde nötig ist. Einzel-Fahrscheine und Tages-Tickets soll es weiterhin geben. Aber einen Rückfall in den alten Tarif-Dschungel werde es nach der Einführung des D-Tickets wohl kaum geben, erklärte Lies.
Wie werden die Einnahmen verteilt ?
Darüber verhandeln alle Beteiligten noch. Eine leistungsgerechte Einnahmeverteilung unter den Verkehrsträgern und den entsprechenden Verlustausgleich für die kommunalen Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen mahnte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, an. Wer den ÖPNV vor Ort stärken wolle, müsse dafür sorgen, dass das Geld möglichst in der Region bleibt, sagte Rainer Levelink vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). Er appellierte, das D-Ticket nicht über große Internet-Plattformen zu ordern, sondern bei regionalen Anbietern. Wenn das Geld nicht bei den Verkehrsträgern ankomme, müssten diese notfalls Bus- oder Bahnlinien stilllegen, mahnte VBN-Manager Counen.
Wie fällt das Fazit aus ?
Verkehrsminister Lies sprach von einem „mutigen Sprung ins kalte Wasser“. Mit der Einführung des D-Tickets gehe die Politik eine hohe Verantwortung ein und wecke Erwartungen. Denn neben dem preiswerten Ticket würden nun der Ausbau des Streckennetzes und eine bessere Taktung folgen müssen. Marco Trips vom Städte- und Gemeindebund erklärte, das 49-Euro-Ticket dürfe nicht dazu führen, „die Anstrengungen um eine Verbesserung des Angebots in den ländlichen Räumen zu vernachlässigen“.
