Oldenburg - „Ich wäre lieber in meiner Kita!“, ruft Elfriede Geisendorff vor dem Rathaus ihren gut 500 Mitstreitern zu – und erntet dafür vielfaches Kopfnicken. Diese „historische Chance“ aber, „unsere Arbeit und sozialen Berufe aufzuwerten“, wolle sie sich nicht entgehen lassen. Also stehen sie nun gemeinsam vor verschlossenen Rathaus-Fenstern und geben sich gegenseitig beste Argumente, weshalb sie mehr verdienen sollten.

Es sind nicht nur die Erzieherinnen, die hier den großen Schritt raus aus ihren Kitas wagen und auch öffentlich für das einstehen, was ihnen zusteht: Selbstwert und Wertschätzung, nicht allein eine finanzielle. Es geht um bessere Rahmenbedingungen und um mehr Kräfte. Und um das Wohl der Zielgruppe, den Kindern. Dafür demonstrieren auch Mitarbeiter des Jugendamtes, der Jugendgerichtshilfe und viele weitere. Sie alle wollen zeigen, dass sie eben „nicht nur die sozialen Idealistinnen mit Helfersyndrom“ (Geisendorff) sind, die immer alles schaffen und sich netterweise ihrem Schicksal ergeben. „Immer besser, immer mehr, alles auf unseren Rücken“ – so könne es nicht mehr weitergehen.

Dass „Lehrlinge im Labor, Forstarbeiter und Mechaniker“ mehr Lohn erhalten, wird bemängelt. „2300 Euro brutto Einstiegsgehalt für das, was ihr leistet, ist ein schlechter Witz!“, formuliert da Jugendsekretärin Heike Boldt.

Dass die Anforderungen an die eigene Arbeit enorm gestiegen sind, „im Kreis sitzen und in die Hände klatschen“ zudem in Kitas lange überholt ist, seien Streik-Gründe genug. „Ihr seid mehr wert“, so Boldt. In roten „Zukunftsgestalterin“-Westen marschieren sie vom Pferdemarkt durch die Innenstadt bis zum Verdi-Gebäude am Stau; drei Kundgebungen auf dem Weg fallen intern sicher auf fruchtbaren Boden – Außenwirkung aber hat das kaum.

Zaungäste gibt es keine, in aller Früh ja nicht mal Wegbegleiter. Mögliche Adressaten im Rathaus tagen hinter geschlossenen Fenstern, und verständnisvolle Eltern haben schon früh gemeinsame Sache mit den Erziehern gemacht, sich arrangiert. Sender gibt es also genug, Empfänger kaum. Kein Wunder also, dass manche Streikende eindeutig auf die Frage antworten, ob sie tatsächlich an eine Verbesserung der Situation durch den großen Auftritt glauben: „Ganz ehrlich? Nein. Aber wir probieren es trotzdem – für unsere künftigen Kollegen und die ganze Stadt.“