AACHEN - Im Bistum Aachen gibt es deutlich mehr Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs durch Priester als bisher angenommen. 24 Priester sollen sich dort in den letzten 65 Jahren an Kindern und Jugendlichen vergangen haben.

Bis zu der Aufklärungs-Offensive der Kirche waren nur acht strafrechtlich relevante Fälle bekannt, wie das Bistum am Freitag mitteilte. Von den 24 Priestern leben noch acht. Diese vorläufige Bilanz teilte Bischof Heinrich Mussinghoff den Pfarren seines Bistums in einem Brief mit.

Darin bittet er die Opfer und die Familien um Entschuldigung, „für das Leid und den Schaden“, die durch den sexuellen Missbrauch entstanden seien.

Im Bistum Aachen wurden zwischen 1945 und 2010 sieben beschuldigte Priester strafrechtlich verurteilt. In einem besonders schweren Fall sei ein Priester, der in den 90er Jahren mehrere Jungen im Bereich Krefeld missbraucht habe, zu vier Jahren Haft verurteilt worden, sagte Bistums-Sprecher Franz Kretschman.

Unterdessen haben in der katholischen Kirche Belgiens Priester nach einem Untersuchungsbericht in den 60er bis 80er Jahren mindestens 475 Kinder sexuell missbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Kommission, die am Freitag ihren Abschlussbericht in Löwen vorstellte.