Ganderkesee - Wahlkampfzeiten, das ist bekannt, sind für Parteien und Politiker eine große Herausforderung. Aber nicht nur für sie. Auch eine Gruppe älterer Herren aus Ganderkesee und Delmenhorst fühlt sich herausgefordert – zum dezenten Piken. „Pilatus von Weytherso“ nennen sich die Männer, die mit Satire und Karikaturen Denkanstöße geben wollen.
Es gehe ihnen nicht darum, „Personen gezielt mit Spott und Hohn zu demaskieren“, betont Rainer Dietrich, 64, Zeichner der Gruppe. Man wolle nur nicht „alles und jedes kritiklos hinnehmen“.
Zum Beispiel inhaltslose Wahlplakate, „mit Worthülsen drauf“. Wenn auf einem Plakat der Satz „Eine starke Wirtschaft nur mit uns“ stehe, dann sei das so eine Worthülse, erklärt Klaus Margraf. „Die Einlösung dieser Aussage ist ja gar nicht greifbar.“ Klare Aussagen mit Zahlen seien in diesem Wahlkampf nur ganz selten zu finden, etwa auf Plakaten von „Die Linke“ (was die Gruppe aber keinesfalls als Wahlempfehlung verstanden wissen will).
Ähnlich sei es, wenn auf Plakaten formatfüllend die Köpfe von Kandidaten abgebildet sind. Dietrich: „Was nützt es mir, wenn ich weiß, wie einer grinst. Ich will wissen, was er verändert.“
Bei solchen Plakaten, so denkt der gelernte Grafikdesigner und Pädagoge für Erwachsenenbildung, müssten sich Wähler doch eigentlich verhohnepipelt fühlen. „Aber es wehrt sich keiner.“
So will „Pilatus von Wey-therso“ mit seiner Satire und seinen Karikaturen auch den Wählern den Spiegel vorhalten, „in netter Form“, wie Dietrich betont. „Weytherso“ ist mithin ein Aufrütteln gegen das „Weiter so“.
Ein Beispiel: „Dieser Wahlkampf raubt mir den Schlaf“, legt die Gruppe in einer ihrer Karikaturen dem Mann am Bürotisch in den Mund – und spielt ironisch auf einen langweiligen Wahlkampf an, der allenfalls vom Büroschlaf abhält.
Die (insgesamt 16) entstanden Karikaturen hat die Gruppe zunächst in ihren Familien und im Bekanntenkreis verbreitet. Vielleicht werde es noch eine kleine Ausstellung geben.
„Pilatus von Weytherso“, das sind laut Dietrich etwa sechs bis acht Männer, „ein lockerer Zusammenschluss“ kritischer Geister, „keine Missionare“. Das humorvolle Gespräch über lokale oder auch nationale Politik habe für sie alle wohl auch eine Ventilfunktion – „und ist dabei ausgesprochen kreativ“.
