Berlin - „Ein Präsident vom Scheitel bis zur Sohle“ sei Richard von Weizsäcker gewesen, sagt Joachim Gauck. Eine tiefe Verneigung des Bundespräsidenten vor seinem Ende Januar im Alter von 94 Jahren verstorbenen Amtsvorgänger.
Andächtige Stille herrscht am Mittwoch unter der mächtigen Kuppel des Berliner Doms: Tränen, Emotionen, Erinnerungen. Ein bewegender Staatsakt zwischen Trauer und Dankbarkeit. Familie, Freunde und politische Weggefährten sind gekommen. Berlin nimmt Abschied von einem großen Staatsmann, „der, als es an ihm war, das Richtige sagte und das Richtige tat“, würdigt Gauck seinen Vorgänger. „Indem sie ihn mochten, lernten die Deutschen sich selber zu mögen.“
Die Spitzen der deutschen Politik sowie Staatsgäste aus ganz Europa verneigen sich vor dem Sarg, der mit der schwarz-rot-goldenen Bundesdienstflagge bedeckt ist. Nach seiner Rede umarmt Gauck Weizsäckers Witwe Marianne.
1400 Gäste sind zum Staatsakt gekommen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der frühere polnische Präsident Lech Walesa und die niederländische Ex-Königin Beatrix.
Die Trauerredner würdigten Richard von Weizsäcker als großen Brückenbauer, der die deutsche Teilung zu überwinden suchte. Gauck erinnerte an 1987, als von Weizsäcker zu Michail Gorbatschow sagte, die deutsche Frage sei so lange offen, wie das Brandenburger Tor geschlossen bleibe. Er habe geholfen, „uns mit der Welt und die Welt mit Deutschland zu versöhnen“, formulierte es Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Verstorbene sei „ein Glückfall für Deutschland“ gewesen, sagt die langjährige Vizepräsidentin des Bundestages Antje Vollmer. „Danke, lieber Richard von Weizsäcker.“
Beigesetzt wurde der Altbundespräsident am Nachmittag in Berlin-Zehlendorf in kleinem Kreis. Seine letzte Fahrt durch die Hauptstadt führte auch an Schloss Bellevue vorbei.
