Dublin - Wütende Frauen versammelten sich spontan zu einer Demonstration vor dem „Dail“, dem irischen Parlament in Dublin. Mahnwachen fanden in Cork, Limerick und London statt. Weitere Proteste sind zu erwarten. Gesundheitsminister James Reilly hat eine Untersuchung angeordnet, die Bevölkerung ist entsetzt. In Irland ist wieder einmal eine Abtreibungsdebatte entflammt, nachdem es zu einem tragischen Todesfall kam: Eine 31-jährige Frau musste sterben, weil die Ärzte sich weigerten, eine Abtreibung vorzunehmen.
Es ist ein haarsträubender Fall. Savita Halappanavar, eine indische Zahnärztin, war in der 17. Woche schwanger, als sie Ende Oktober ins „Galway University Hospital“ eingeliefert wurde. Die Ärzte diagnostizierten eine beginnende Fehlgeburt. Der Muttermund war voll geöffnet, das Baby war nicht mehr zu retten. Savita bat um einen Schwangerschaftsabbruch. Das sei nicht möglich, sagte man ihr, solange der Fötus noch am Leben sei. Drei Tage lang dauerte es, bevor der Herzschlag des Babys aussetzte, erst dann unternahmen die Ärzte eine Operation. Doch in der Zwischenzeit hatte eine Blutvergiftung bei der Mutter eingesetzt. Am 28. Oktober verstarb Savita Halappanavar aufgrund mehrfachen Organversagens. Der Fall wurde erst bekannt, als sich ihr Ehemann in dieser Woche an die Presse wandte.
„Einem nicht überlebensfähigen Fötus wurde Priorität über das Leben der Frau gegeben, die unglücklicherweise und wie zu erwarten eine Blutvergiftung erlitt“, empörte sich die Parlamentsabgeordnete Clare Daly.
In Irland herrscht ein Abtreibungsgesetz von 1861, das einen Schwangerschaftsabbruch mit lebenslanger Haft bestraft. Eine Volksabstimmung von 1983 verankerte in der Verfassung, das ungeborene Kind habe das gleiche Lebensrecht wie die Mutter.
„Die Politiker haben Angst, das Abtreibungsthema anzufassen“, sagte Rachel Donnelly von der Organisation „Pro-Choice“. „Aber wenn ein Fall wie dieser die Politiker nicht zum Handeln bringt, dann weiß ich nicht, was sonst.“
