Hatten - Mit dem Schuljahr 2016/17 will die Gemeinde Hatten erstmals eine Beitragsrichtlinie für nachschulische Betreuung an ihren Grundschulen einführen. Die Verwaltung legt in ihrem Entwurf für Eltern, die keine Ermäßigungsgründe geltend machen können, 7,50 Euro für eine 45-minütige Betreuung pro Woche und Monat fest.
Im Falle einer maximal möglichen Betreuung von 195 Minuten – für Erst- bis Viertklässler von 12.45 bis 16 Uhr – kämen so z.B. 162,50 Euro im Monat zusammen. Billiger soll es für Haushalte werden, deren Bruttojahreseinkommen unter 30 000 Euro liegt (5,55 Euro). Eine Übernahme des Beitrages durch die Gemeinde soll automatisch erfolgen, wenn das Bruttojahreseinkommen unter 20 000 Euro liegt.
Gegen die Formularflut
Die Übersichtlichkeit der Beitragserhebung für Eltern zu verbessern und den Verwaltungsaufwand zu verringern – diese Ziele werden mit der neuen Richtlinie verfolgt. Deshalb verzichtet die Gemeinde auch auf eine feinere Differenzierung, wie sie beim Vorbild, der Kitabetreuung, gang und gäbe ist. Dort habe sich gezeigt, dass viele Eltern bei ihren Anträgen wegen der Flut der Formulare und Optionen zum Teil erheblichen Beratungsbedarf haben, heißt es aus dem Rathaus.
Grundsätzlich trifft sie damit auf das Einverständnis der Ratsfraktionen. Im Schul-, Bildungs- und Kulturausschuss und im Verwaltungsausschuss am Montag fiel das Votum einstimmig für die Beschlussvorlage aus.
Kritik gibt es dennoch von Seiten der FDP, die bemängelt, dass der von ihr initiierte Arbeitskreis nachschulische Betreuung, in dem sowohl Eltern- als auch Schulvertreter sitzen, in der entscheidenden Phase der Richtliniengestaltung übergangen worden ist. FDP-Fraktionsvorsitzender Niels-Christian Heins: „Wir hätten erwartet, dass der Arbeitskreis im Vorfeld tagt.“
Das Gremium ist ein Kind der Liberalen: Am 6. September 2014 hatte die FDP mit einem Antrag an die Gemeinde den Arbeitskreis initiiert. Im Dialog mit Eltern und Schulleitern solle die Verwaltung weiterführende Ideen für die nachschulische Betreuung der Kinder an den Grundschulen entwickeln, lautete damals der Auftrag. Einstimmig passierte dieser Vorschlag im November des selben Jahres den Verwaltungsausschuss. Getagt hat er nur anfangs regelmäßig.
Arbeitskreis soll tagen
Bürgermeister Christian Pundt und Hauptamtsleiter Tobias Hunger betonen deshalb ausdrücklich, dass der Arbeitskreis keineswegs kalt gestellt worden ist. Der Vorschlag der Gemeinde, bei der Beitragsstaffelung analog zu den Kitagebühren vorzugehen, sei im Arbeitskreis vorgestellt und dort begrüßt worden. „Wir machen es jetzt so, nur noch etwas einfacher“, so der Bürgermeister. Bei der Bewertung der Erfahrungen nach dem Schuljahr 2016/17 werde der Arbeitskreis nachschulische Betreuung selbstverständlich einbezogen, betont er.
Für zusätzlichen Ärger bei der FDP sorgt unterdessen ein Antrag der CDU, die ihrerseits einen neuen Arbeitskreis für Kinderkrippen, Kindergärten und Grundschulen eingerichtet sehen möchte, der sich strategisch mit weiterer Planung in diesem Bereich befasst. „Das ist ein dreistes Vorgehen“, findet FDP-Fraktionsvorsitzender Heins. Die Christdemokraten nähmen bestehende Dinge offensichtlich nicht zur Kenntnis.
Ob der CDU-Antrag überhaupt eine Chance bekommt, entscheidet sich im nächsten Schul-, Bildungs- und Kulturausschuss. Unabhängig davon will die Gemeinde dort aktuelle Zahlen vorstellen und eine perspektivische Betrachtung des Bereichs vornehmen.
