Hannover/Kiel - Deutet sich eine Wende in der gespaltenen AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag an? Der neue Landesvorstand der Partei hat den drei abtrünnigen Abgeordneten ein Versöhnungsangebot gemacht. Die bisherige Fraktionsvorsitzende Dana Guth sowie die Abgeordneten Stefan Wirtz und Jens Ahrends wurden zu einem Gespräch am kommenden Mittwochabend in Hannover eingeladen. „Nichts sollte unversucht gelassen werden, um nach Wegen zu suchen, wie sowohl für Euch als auch für die übrigen Fraktionsmitglieder eine gemeinsame, zukünftige Fraktionsarbeit möglich gemacht werden kann“, schrieb der dritte stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Uwe Wappler aus Oyten (Kreis Verden).
100 000 Euro weniger
Guth, Wirtz und Ahrends hatten am Dienstag die neunköpfige Landtagsfraktion verlassen. Sie verfügt damit nicht mehr über die für eine Fraktion erforderliche Mindestgröße von sieben Abgeordneten. Die AfD erhält damit nicht mehr rund 100 000 Euro monatlich für ihren Fraktionsapparat und muss 15 Mitarbeiter entlassen. Zudem verlieren die Abgeordneten einen Teil ihrer parlamentarischen Rechte. Sie erhalten im Landtag voraussichtlich Einzelplätze hinter den etablierten Fraktionen.
Guth sprach gegenüber dieser Zeitung von einem „taktischen Schachzug“. Denn zeitgleich finde am Mittwoch eine Bundesvorstandssitzung statt. Daran würden auch Christopher Emden und Stephan Bothe, die zwei ersten Stellvertreter des neuen AfD-Landeschefs Jens Kestner, teilnehmen. Auch sei es der Sache nicht dienlich, wenn so ein „Versöhnungsgespräch“ vorab öffentlich gemacht werde.
Guth hatte den Landesvorsitz an Kestner, der dem offiziell aufgelösten, völkisch-nationalistischen „Flügel“ zugerechnet wird, verloren. Nach dem Bruch in der Fraktion bezeichnete er das Verhalten Guths als „unverantwortlich“ und forderte den Rauswurf der 50-Jährigen aus der AfD.
Kieler AfD gespalten
Guth sagte dieser Zeitung, sie sei „jederzeit zu Gesprächen“ bereit. Die Einladung an Christopher Emden, Stefan Henze, Harm Rykena und Klaus Wichmann, eine neue Fraktion zu bilden, stehe.
Paukenschlag derweil auch bei der AfD in Schleswig-Holstein: Der Landtagsabgeordnete Frank Brodehl verließ wegen der empfundenen Radikalisierung die Partei und die Landtagsfraktion. Auch sein Amt als Sprecher des Kreisverbands Ostholstein legte er nieder. Damit gehören der AfD im Landtag nur noch drei Abgeordnete an. Die AfD verliert auch hier den Fraktionsstatus.
