Wildeshausen - AfD-Landesvorsitzender Paul Hampel nennt ihn „mein Sorgenkind“. Christian Pothin hatte innerhalb der Euro-kritischen Partei „Alternative für Deutschland“ von vornherein einen gewissen „Exotenstatus“. Doch für die jüngste Entgleisung des Noch-Kreisvorsitzenden hat der Landeschef kein Verständnis.

Auf seiner Facebook-Seite hat der 47-Jährige in der Nacht zu Dienstag seinen Abschied als Kreisvorsitzender angekündigt. Und die Begründung hat es in sich. Er wolle „auch mal wieder einen Saufen gehen oder einfach nur mal Witze über Dicke, Schwuchteln und anderes erzählen“, heißt es da. Und dann noch der Nachsatz: „Ohne das ich aufpassen muss, was ich sage. Der Spruch: Wenn man in der Öffentlichkeit steht und ein Amtsträger ist, sollte man genau überlegen was man sagt habe ich jetzt verstanden“, teilte Pothin auf seiner offen zugänglichen Facebook-Seite mit. „Ich will niemanden beleidigen, aber ich möchte mich auch nicht verbiegen“, sagte er auf NWZ -Nachfrage.

In Wildeshausen galt der 47-Jährige schon länger als schillernde Figur. Der gebürtige Friesländer war mit 19 Jahren zunächst nach Frankreich gegangen. Damals hieß er noch mit Nachnamen Wess. Dort ging er zur Armee. Später arbeitete er nach eigenen Angaben in Frankreich in der Hotellerie, dann zog es ihn in die Südsee. Und 2003 ließ er sich mit Im- und Export-Geschäften in Wildeshausen, dem Heimatort seiner Mutter, nieder.

Für Schlagzeilen sorgte er 2004. Damals wollte er einen Ferrari-Autosalon im ehemaligen Kaufhaus Selve eröffnen. Doch das Projekt mit den Luxusautos ging pleite, bevor es überhaupt so richtig begonnen hatte.

2013 entdeckte er seine politischen Ambitionen und schloss sich der Euro-kritischen AfD an. Die Partei scheiterte bei der Bundestagswahl mit 4,9 Prozent denkbar knapp an der Fünf-Prozent-Hüde. Im Wahlkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst/Wesermarsch bekam die AfD 4,1 Prozent. Pothin selbst holte als Direktkandidat 5251 Erststimmen – nur 22 weniger als die langjährige FDP-Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst.

Pothin will nach dem „nervenaufreibenden“ Wahlkampf nun eine Pause als aktiver Politiker einlegen. Seiner Partei jedoch, der „Alternative für Deutschland“, wolle er erhalten bleiben.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland