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NWZonline.de Nachrichten Politik

Agrarflächen sollen wieder Moore werden

18.07.2014

Hannover Niedersachsen will die Wiederbelebung der für den Klimaschutz wichtigen Moore vorantreiben. Dazu sollen landwirtschaftlich genutzte Flächen angekauft werden und durch Wiedervernässung Moore entstehen. Umweltminister Stefan Wenzel und Agrarminister Christian Meyer (beide Grüne) haben am Donnerstag in Hannover das neue Moorschutzprogramm vorgestellt, das auf ein Auslaufen des Torfabbaus und Wiedergewinnung wertvoller Moorflächen setzt. Zwei Drittel der deutschen Moore liegen in Niedersachsen. Die Trockenlegung großer Flächen für die Landwirtschaft in früheren Zeiten bedroht gegenwärtig den Fortbestand der Moore.

Der Moorschutz ist ein Konfliktthema, weil neben dem Naturschutz die Interessen der Landwirte berücksichtigt werden müssen, die ohnehin bereits über fehlende Flächen klagen. Auch die Torfindustrie kann auf die Nutzung der Moore bisher nicht verzichten, 80 Prozent des deutschen Torfes kommen aus Niedersachsen. Rund 2500 Beschäftigte hat die Branche in Niedersachsen.

Den Dialog mit allen Beteiligten sehen Wenzel und Meyer deshalb als Voraussetzung für einen Erfolg ihrer Pläne. Mit Augenmaß wollen sie auch mit der Torfindustrie umgehen. „Wir haben kein Interesse, dass der Torfabbau bei uns eingegrenzt wird, und der Torf dann aus Osteuropa eingeführt wird“, sagte Wenzel. Gefördert werden sollen Projekte, bei denen nach Ersatzstoffen für Torf gesucht wird. Das Schutzprogramm sieht auch eine schonende Nutzung durch die Landwirtschaft mit spezieller Agrartechnik und feuchteren Böden vor.

Unabhängig von den Regierungsplänen haben die Torfindustrie und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ein eigenes Konzept zur Zukunft der Moore entwickelt, das sie ebenfalls am Donnerstag vorstellten. Es sieht vor, dass die Torfindustrie über die bisher vorgesehenen Abbauflächen hinaus in ausgewählten weiteren Flächen Torf abbauen darf, diese wiedervernässt und sich zum Ausgleich auch um die Revitalisierung weiterer Moorflächen kümmert. 25 000 der von der Landesregierung zum besonderen Schutz vorgesehenen 100 000 Hektar ließen sich so auf Kosten der Torfindustrie schützen.

Anderenfalls sei die geschätzte 2,6 Milliarden Euro teure Revitalisierung von 100 000 Hektar Moor weder vom Land noch mit EU-Zuschüssen zu finanzieren, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann. Auch wenn der Nabu grundsätzlich gegen einen weiteren Torfabbau sei, biete der Schulterschluss mit der Industrie die Möglichkeit, den Schutz der Moore voranzubringen.

„Das Konzept kann helfen, die Ziele der Landesregierung umzusetzen“, sagte die Sprecherin des Industrieverbandes Garten (IVG), Tanja Constabel. Die Industrie sei zur Finanzierung zusätzlicher Maßnahmen zum Moorschutz bereit, da sie davon ausgeht, dass Torf ohnehin teurer wird. Der Handlungsdruck sei groß, da die Torfabbauer mit den genehmigten Flächen bereits in zehn Jahren nur noch halb soviel Rohstoffe wie heute gewinnen werden. Bereits jetzt würden Ersatzstoffe für Torf mitverwendet, Holzabfälle aber seien inzwischen zu teuer geworden, da sie zur Energiegewinnung begehrt sind.

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