AHLHORN - Es war schon ein grundlegender Wandel in der Kindergartenarbeit, der sich vor zehn Jahren vollzog. Seinerzeit gingen am katholischen Herz-Jesu-Kindergarten in Ahlhorn die ersten beiden Integrationsgruppen in der Gemeinde Großenkneten an den Start. „Es gab von Anfang an einen sehr großen Bedarf“, erinnert sich Kindergartenleiterin Brigitte Beier.
Mittlerweile haben in den zehn Jahren mehr als 50 Integrationskinder eine engagierte und liebevolle Begleitung im Herz-Jesu-Kindergarten erfahren. Es sind Kinder mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen oder Auffälligkeiten. Eigentlich besteht eine Integrationsgruppe aus vier Integrations- und 14 Regelkindern. Aktuell sind es in den beiden Ahlhorner Gruppen sogar jeweils fünf Integrationskinder. Es gibt eine Ausnahmeregelung, weil der Bedarf sehr groß ist.
Ganz normaler Umgang
Von der Integrationsarbeit profitieren können nicht nur die behinderten, sondern auch die nichtbehinderten Kinder, sagt Heilpädagogin Cäcilia Hönemann, die mit der heilpädagogischen Fachkraft Andrea Kathmann die Integrationsarbeit in Ahlhorn schon seit zehn Jahren macht. Die nichtbehinderten Kinder empfinden den Umgang mit behinderten Menschen als ganz normal. Es wird gemeinsam gespielt und gelernt. Die Kinder helfen sich gegenseitig. Sie gehen ohne Vorurteile und Ängste miteinander um.
„Das finde ich toll“, sagt Helga Osterloh, deren Sohn drei Jahre eine Integrationsgruppe in Ahlhorn besuchte. „Man merkte, dass er sich von Woche zu Woche positiv veränderte“, berichtet sie. Dabei habe man im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) dringend davon abgeraten. Der Kindergarten sei mit Luca und seinen Motorikdefiziten überfordert. Das Herz-Jesu-Team jedoch bewies, dass es geht. Solche „Fragezeichenfälle“ gibt es immer wieder, wie Brigitte Beier betont. Die Erfolge machten Mut, auch schwierige Fälle anzugehen. Integrationsarbeit basiere vor allen Dingen auf Vertrauen.
Von Anfang an beeindruckt
Brigitte Beier berichtet von gelegentlichen Zweifeln bei Eltern und Erzieherinnen. So war es auch bei der Tochter von Nadja Klippert. Viktoria, die eine Fußprothese trägt, war das erste körperbehinderte Integrationskind in Ahlhorn. Sie kam im Alter von drei Jahren. „Sie hat uns von Anfang an beeindruckt“, so Brigitte Beier. Es war nicht ganz einfach für das Mädchen. Zwischenzeitlich waren immer wieder Operationen erforderlich. Viktoria musste viele Schmerzen ertragen. „Sie hat sich aus allem heraus gekämpft“, erinnert sich Brigitte Beier.
Im sozialen Umfeld
Viktoria besucht jetzt die Realschule. „Sie macht alles mit, auch beim Sport und beim Schwimmen“, so ihre Mutter. Für sie war es die richtige Entscheidung, ihr Kind in die Integrationsgruppe zu geben.
Andere Einrichtungen sind oft viel weiter weg. Doch gerade die Wohnortnähe und das Verbleiben im sozialen Umfeld sind ein großer Pluspunkt der integrativen Arbeit in den örtlichen Kindergärten. Dabei kommen Ergotherapeuten, Logopäden und Krankengymnasten in den Kindergarten. Zusätzlich wird in Ahlhorn heilpädagogisches Reiten angeboten.
Wie groß der Bedarf an Integrationsplätzen ist, zeigt dass mittlerweile auch in Huntlosen und Sage Integrationsgruppen gibt.
Großes KindergartenFest beginnt mit einem Gottesdienst
