Ramsloh - „Was macht ein deutscher Botschafter inmitten des Saterlandes?“ – das dachten sich wohl einige Gäste, die am Donnerstagabend in den Landgasthof-Dockemeyer in Ramsloh-Hollen gekommen waren. Und diese Frage warf auch Ehrengast Martin Erdmann selber in den Raum. Als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Türkei sprach er auf Einladung des CDU-Gemeindeverbandes Saterland über seine Arbeit.
Viele bekannte Gesichter
Der eine Grund für sein Kommen liege mehr als 40 Jahre zurück und sei heute anwesend, sagte Erdmann. Die Rede war von seiner Frau Marion Erdmann, geborene König, aus Sedelsberg. Die beiden hätten sich 1980 das Ja-Wort in der Sedelsberger Kirche gegeben. Die Hochzeit wurde im Schützenhof gefeiert. „Viele, die heute zugegen sind, waren auch damals dabei“, freute er sich.
Der zweite Grund war Theo Schmidt aus Sedelsberg, zudem Erdmann eine jahrzehntelange Freundschaft pflegt. Da Schmidt gewusst habe, dass er und seine Frau dieser Tage Urlaub im Saterland machen würden, habe er ihn gefragt, ob er über seine Arbeit berichten wolle, so Erdmann.
Und wie es der Zufall so will, war neben Erdmanns Frau und deren Vater Hans Erdmann auch Dr. Rüdiger Lotz vor Ort. Der Botschaftsrat erster Klasse der deutschen Botschaft in Ankara, der dort seit dem Sommer als Koordinator für Migrationsfragen zuständig ist, besucht gerade mit seiner Frau seine Schwiegereltern in Barßel.
Anhand von Fotos sprach Erdmann über seine Arbeit, Terroranschläge sowie den Putsch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Der erste große Anschlag, den er und seine Frau miterlebt haben, war am 10. Oktober 2015 bei einem kurdischen Demonstrationsfest, bei dem 120 Menschen starben. „Ich war gerade sechs Wochen dort.“
Eine Nacht im Bunker
Der nächste schwere Anschlag sei der am 16. Februar 2016 in Ankara gewesen. Erdmann: „35 Militärangehörige kamen ums Leben.“ Etwa 50 Tote habe es beim Anschlag am 13. März in Ankara gegeben, der sich gegen die Zivilgesellschaft richtete. Viele Mitarbeiter der türkischen Botschaft seien dabei umgekommen.
„Der Putsch vom 15. auf den 16. Juli gelang glücklichweise nicht, sonst würde sich das Land heute in einem Bürgerkrieg befinden“, sagte Erdmann. „Wir leben 500 Meter Luftlinie von dem Parlament entfernt, das die Putschisten mit F16-Kampfflugzeugen angriffen.“ So seien er und seine Frau „akustische Zeugen der Zerstörung“ geworden. „Die Flugzeuge flogen nur 50 Meter über unseren Köpfen.“ Die Nacht verbrachten sie im Luftschutzbunker.
Großes Unverständnis
Auf die Frage aus dem Publikum, ob sie noch gefahrlos in die Türkei reisen könnten, sagte Erdmann, dass das Botschaftsgelände sehr gut geschützt sei. Keinem sei gedient, wenn man täglich weinend herumlaufe, denn die Menschen würden dort in Angst leben, sagte Marion Erdmann. „Wir lassen nicht zu, dass der Terror über uns die Oberhand gewinnt.“ Auch Lotz sagte, dass einem gelegentlich mulmig werde, aber die Türkei auch sehr viele positive Aspekte habe. Wenn man von der Terrorgefahr absehe, sei es ein kulturell und historisch hochspannendes Land.
Weitere Fragen wurden auch zum Flüchtlingsabkommen, zur Armenienresolution, zur Annäherung Erdogans an Wladimir Putin sowie zur Stellung Erdogans vor dem Putsch gestellt – Erdmann: „Er steht gefestigter denn je.“ Die besondere Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse in der Türkei in den deutschen Medien liege daran, dass die beiden Länder innenpolitisch stark vernetzt seien. Und das nicht zuletzt wegen der drei Millionen Tükischstämmigen, die hier lebten. „Das, was Erdogan mit großem Applaus tut, stößt hier auf großes Unverständnis und umgekehrt. Im Grunde braucht man ständig einen Kulturvermittler“, so Erdmann.
Begrüßt worden waren die Gäste, darunter der Ehrenbürger der Gemeinde, Dr. Marron C. Fort, und Pfarrer August Vornhusen, vom CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Dr. Michael Steenken.
