Hannover - Bedroht, beschimpft oder angegriffen: Jede dritte Kraft der Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen hat am Einsatzort schon einmal solche Situationen erlebt. Das geht aus einer Online-Umfrage der Feuerwehrunfallkasse Niedersachsen (FUK) hervor, die jetzt in Hannover vorgestellt wurde. Mehr als 1300 Feuerwehrleute haben sich daran beteiligt.
Keine Kooperation
Etwa ein Drittel der Befragten hat demnach schon Erfahrungen mit Gewalt machen müssen. Die Zahl der Gewalterfahrungen sei seit 2020 zwar nicht angestiegen; dennoch sei diese immer noch zu hoch. Mit Abstand am häufigsten wurden am Einsatzort Beschimpfungen und Beleidigungen mit Worten und Gesten erlebt. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer habe bereits erlebt, dass Menschen im Brandfall nicht kooperieren, sich verweigern oder gar widersetzen. Knapp 40 Prozent der Feuerwehrleute wurde sogar angedroht, sie mit einem Fahrzeug anzufahren. 30 Prozent gaben an, Einschüchterung und Bedrohung mit Worten oder Gesten erlebt zu haben. Etwa zehn Prozent der freiwilligen Helfer wurden gar schon mit Böllern beworfen. Die Täter waren überwiegend Einzelpersonen, heißt es in dem FUK-Bericht. Alkoholeinfluss habe praktisch keine Rolle gespielt.
„Massives Alltagsproblem“
Der Geschäftsführer der Unfallkasse, Thomas Wittschurky, zeigte sich entsetzt: „Wenn jede dritte Einsatzkraft in unseren Feuerwehren über erlebte Gewalt im Dienst berichtet, dann haben wir ein massives Alltagsproblem.“ Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) betonte: „Diese Gewalt dürfen wir nicht hinnehmen – denn wer Einsatzkräfte daran hindert, ihre Pflicht zu tun, der greift uns alle an.“ Wer Einsatzkräfte angreife, müsse „die volle Härte“ des Rechtsstaates zu spüren bekommen. „Wir müssen endlich anfangen, den Strafrahmen bei Angriffen auf Einsatzkräfte voll auszuschöpfen“, so die Ministerin weiter. Das Thema stehe auch auf der Tagesordnung der nächsten Innenministerkonferenz in Berlin.
