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Integration Aliwaris lernt, wartet und hofft

Edewecht - Im Februar 2015 saßen wir uns zum ersten Mal gegenüber. Damals sprach Aliwaris Mohammadi nur wenige Brocken Deutsch, unser Gespräch führten wir auf Englisch. Damals erzählte mir der aus Afghanistan stammende junge Mann von seiner monatelangen, kräftezehrenden Flucht, die ihn und seinen Cousin Bilal nach Edewecht geführt hatte. Er erzählte von seinem Traum, eines Tages studieren zu können. Und er erzählte von der Hoffnung, bald als Asylbewerber anerkannt zu werden.

„Edewechter Familie“

Im Januar 2017 sind Aliwaris und Bilal noch immer in Edewecht. Sie haben eine gemeinsame kleine Wohnung – und sie haben Arbeit. Deshalb hat Bilal an diesem Nachmittag keine Zeit für ein zweites Treffen mit der Frau von der Zeitung.

Es ist 16 Uhr. Aliwaris kommt nach der Berufsschule ins Haus der Begegnung zu unserer Verabredung. „Ich mache bei der Firma Haskamp eine Ausbildung zum Metallbauer“, sagt Aliwaris. „Vier Tage arbeite ich, einen Tag habe ich Schule.“ Er ist im zweiten Lehrjahr, im April hat er Zwischenprüfung. „Darauf bereite ich mich vor.“ Zweimal in der Woche besucht der 20-Jährige einen Deutschkursus, außerdem hat er Nachhilfe in der fremden Sprache. „Am besten lerne ich Deutsch, wenn ich spreche.“ Aliwaris hat viel gelernt, und er hat viel zu sagen.

Sein erster Asylantrag wurde abgelehnt, ein Folgeantrag im Sommer gestellt. „Ich habe Angst, nach Afghanistan geschickt zu werden“, gesteht Aliwaris. Sein derzeitiger Aufenthaltsstatus in Deutschland: geduldet.

„Auf ihn trifft die 3-plus-2-Regelung zu“, sagt Reinhold Wiehebrink. Sie garantiert, dass Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen, die Lehre beenden und danach zwei Jahre lang arbeiten können. Reinhold Wiehebrink gehört zur Gruppe der ehrenamt­lichen Edewechter Flüchtlingshelfer. Er kennt Aliwaris und Bilal, seit beide im Herbst 2014 ins Ammerland kamen, hat sie unterrichtet und ihnen geholfen, sich einzuleben.

„Herr Reinhold und Frau Hella, sie sind unsere Edewechter Familie.“ Aliwaris lächelt schüchtern. Mit „Frau Hella“ ist Hella Fittje-Oltmanns gemeint. Auch sie gehört zum Kreis der Flüchtlingshelfer und hatte die Idee zum „Internationalen Begegnungscafé“, das an jedem Dienstagnachmittag in Edewecht stattfindet. Für Aliwaris ein wichtiger Termin. „Wenn ich Zeit habe, dann besuche ich Frau Hella und die anderen. Ich bin dankbar, was die alles für uns getan haben.“

In die Dankbarkeit schließt der angehende Metallbauer seinen Arbeitgeber ein. „Es ist so schön, dass ich die Möglichkeit habe, den Beruf zu lernen.“ Barbara Haskamp lobt ihren Lehrling. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist sehr fleißig und sehr höflich. Und er meistert sein Leben ganz großartig.“

Schon als Zehnjähriger, das hatte mir Aliwaris vor zwei Jahren erzählt, arbeitete er im Türen- und Fensterbau. Das war in Pakistan, wohin seine Familie 1998 vor den Taliban geflohen war. „Mit der Ausbildung will ich meine Familie stolz machen.“ Deshalb, so sagt er, lerne er viel. Er habe zwar Freunde, gehe aber nicht aus wie andere in seinem Alter. „Disco interessiert mich nicht.“

„Fühle mich nicht allein“

Alle zwei bis drei Tage hat er dank Internet-Videotelefonie Kontakt zu seiner Mutter, die in Pakistan lebt. Seine Augen glänzen, als er von ihr spricht. „Mama ist Mama. Die ist wichtig“, sagt er. Und sehr weit entfernt. „Frau Hella“ und die anderen Helfer – sie sind bei ihm. „Ich habe hier nicht das Gefühl, allein zu sein.“

Kerstin Buttkus
Kerstin Buttkus Kanalmanagement
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