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NWZonline.de Nachrichten Politik

Alles deutet auf Russland

29.09.2016

Brüssel /Utrecht Es ist der Moment der Gewissheit. Nicht nur für Hendryk (48), der seit mehr als zweieinhalb Jahren auf die Antwort wartet, wer für den Tod seiner Frau Mareijke (45) verantwortlich ist. Sie war an Bord der Boeing 777-200 des Malaysia-Airlines-Fluges MH 17, der am 14. Juli 2014 um 12.30 Uhr von Amsterdam Richtung Kuala Lumpur startete – aber nie dort ankam. An diesem Mittwoch steht Hendryk draußen vor der Tür der niederländischen Luftaufsichtsbehörde OVV in einem Vorort von Utrecht.

„Ich will, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden“, sagt der Lehrer leise, als drinnen der entscheidende Satz der Staatsanwälte und Ermittler fällt: „Die Maschine wurde von einer russischen Luftabwehr-Rakete vom Typ BUK-M1 getroffen. Sie wurde von prorussischen Rebellen aus dem Ort Snischne abgeschossen. Das können wir beweisen.“

Jahrelang haben sich die Staatsanwälte und Ermittler der Staaten, aus denen die 298 Fluggäste und Besatzungsmitglieder kamen, mit Trümmerteilen, Satellitenbildern und Geheimdienstinformationen beschäftigt. Demnach wurde der malaysische Jet an diesem Schicksalstag von der internationalen Flugkontrolle auf die Lufttrasse L 980 geschickt – direkt über die umkämpfte Ostukraine. Gegen 15.20 Uhr explodierte „einen Meter neben dem Cockpit“ eine Rakete. Es handelte sich um ein BUK-M1-Geschoss, bestückt mit einem 9N314M-Kopf, einem sogenannten Fragmentiersprengsatz, der nach der Zündung Zigtausende kleiner Splitter ausstreute und die Außenhaut des Jets regelrecht perforierte.

Die drei Piloten waren sofort tot, die Spitze der Boeing 777-200 brach in einer Flughöhe von elf Kilometern ab. Alle Insassen, die nicht durch die Detonation starben, verloren innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein. Kurz darauf zerriss eine Explosion den Rest der Maschine. Das belegen die Trümmerteile, die auf dem Boden in einem Radius von bis zu 40 Kilometern aufschlugen.

Nach Angaben der Ermittler wurde die Rakete zuvor von Russland aus in die Ostukraine transportiert, die Abschussrampe habe man danach „eilig“ entfernt und wieder auf russisches Gebiet zurückgebracht. Auch das könne man „überzeugend beweisen“, betonen die fast 100 Ermittler aus Malaysia, der Ukraine, Belgien und den Niederlanden. Der Widerspruch aus Moskau lag schon vor, bevor der Bericht der Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht worden war.

Doch das Schicksal von MH 17 wirft noch eine Frage auf, die der Chef des niederländischen Sicherheitsrates, Tjibbe Joustra, schon vor einiger Zeit offen ansprach: „Warum flog MH 17 über ein Gebiet, von dem bekannt war, dass dort ein militärischer Konflikt stattfand?“ In den Tagen vor dem Abschuss wurden dort nach Erkenntnissen der Niederländer mehrere Hubschrauber, Kampfjets und andere Flugzeuge in Höhe bis zu neun Kilometern getroffen. Trotzdem, so Joustra weiter, „schickten 61 Airlines aus 31 Ländern insgesamt 160 Jets direkt über das Kriegsgebiet“.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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