Washington - Er gilt als Held – jener US-Elitesoldat, der im Mai 2011 den Terroristenchef Osama bin Laden in Pakistan erschoss. Aber der Staat soll es ihm nicht gedankt haben. Nach eigenen Angaben steht er vor dem finanziellen Ruin.
Laut einem Bericht des US-Magazins „Esquire“ schied der Scharfschütze der Eliteeinheit „Navy Seals“ Ende 2012 freiwillig aus dem Dienst. Weil er das vorgeschriebene Pensionsalter nicht erreicht habe, bekomme er weder eine monatliche Abfindung noch eine Gesundheitsvorsorge. Auch eine Art Übergangsentschädigung werde dem namentlich nicht genannten Familienvater verwehrt, schreibt das Magazin. Es hatte den nur als „Schützen“ bezeichneten Ex-Soldaten nach eigenen Angaben über einen längeren Zeitraum hinweg interviewt.
Das Magazin „Stars and Stripes“ widersprach der Darstellung. Es sei korrekt, dass der „Schütze“ keine Altersversorgung erhalte – wie alle, die vor dem Erreichen des Pensionsalters ausschieden. Ihm stehe jedoch nach geltenden Veteranenregeln eine kostenlose fünfjährige Gesundheitsversorgung zu.
Der „Schütze“ schilderte dem Bericht zufolge auch, wie es damals zur Tötung bin Ladens kam. Demnach war er mit einem „Seal“-Kameraden alleine, als er das Schlafzimmer bin Ladens erreichte. Dort seien sie auf zwei Frauen gestoßen. Der Kamerad habe die Frauen festgehalten, während er selbst in das Zimmer vorgedrungen sei. Bin Laden sei auf ihn zugekommen. Der Al-Kaida-Terroristenführer habe „verwirrt“ ausgesehen.
Laut „Esquire“ entschied sich der „Schütze“ zum Handeln, als bin Laden zu einer Waffe zu greifen schien. „In dieser Sekunde schoss ich auf ihn, zweimal in die Stirn. Bap! Bap! Das zweite Mal, als er umfiel. Er sank auf den Boden vor seinem Bett, und ich traf ihn erneut. Bap! Die gleiche Stelle.“
Weiter heißt es: „Er war tot. Hat sich nicht bewegt. Seine Zunge hing heraus.“ Er fügte hinzu: „Und ich erinnere mich (...), dass ich dachte: Ist dies das Beste oder das Schlechteste, was ich jemals getan habe? Das hier ist real, und es ist er (bin Laden).“
