Berlin - Niemand hat das Konzept der Nato in ihren Anfangsjahren so einfach und treffend beschrieben wie der britische General Hastings Ismay: Ziel sei es, „die Amerikaner drin zu halten, die Russen draußen und die Deutschen unten“, sagte der erste Generalsekretär des 1949 gegründeten transatlantischen Bündnisses. Die ersten beiden Prinzipien bestanden 50 Jahre lange bis zum Ende des Kalten Krieges fort. Das dritte erledigte sich in kurzer Zeit.

Am 6. Mai 1955, vor genau 60 Jahren und nur sechs Jahre nach Gründung der Nato, wurde die Bundesrepublik als 15. gleichberechtigtes Mitglied in das Bündnis aufgenommen.

Gefeiert wird aber zunächst nicht. Die Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 70 Jahren hat Vorrang. Erst Ende Juni soll es einen Festakt im Auswärtigen Amt mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg geben.

Der Unterzeichnung der Verträge ging eine heftige Kontroverse über die Wiederbewaffnung Deutschlands voraus. Ausgelöst wurde sie durch den Ausbruch des Korea-Kriegs 1950. Vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wird der Satz kolportiert, dass ein Staat ohne Armee kein richtiger Staat sei.

Die USA und Großbritannien setzten den Nato-Beitritt Deutschlands durch, die Franzosen die Westeuropäische Union (WEU), einen Beistandspakt sieben europäischer Länder inklusive Deutschlands. Die WEU war im Schatten der Nato politisch bedeutungslos und wurde 2010 aufgelöst.

Eine Woche nach dem Nato-Beitritt der Bundesrepublik gründete die Sowjetunion den Warschauer Pakt, dem auch die DDR angehörte. Die Teilung Europas in zwei Blöcke war damit besiegelt.