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Jägerschaft Ammerländer Wolfsberater auf Sonderweg

Ammerland - Spätestens seit der Sichtung eines Wolfs im Juni 2017 in Barghorn ist klar: Das Ammerland ist auch Wolfsland. „Der Wolf ist Realität“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft des Ammerlandes, Robert Lohkamp. Besonders jetzt im Herbst sei mit Sichtungen zu rechnen, davon ist die Jägerschaft überzeugt.

Rund um das Ammerland gibt es Wolfsterritorien, zum Beispiel im Emsland, in Cuxhaven und umzu, im Bremer Hinterland. Einzelne Wölfe wurden in den vergangenen Monaten in Rastede und Wiefelstede gesehen und fotografiert, so Lohkamp. Angriffe von Wölfen auf Nutztiere sind der Jägerschaft und ihren Wolfsberatern bisher nicht gemeldet worden, sie seien zukünftig aber auch nicht auszuschließen.

Nur ein Berater

Vor diesem Hintergrund empfand es die Jägerschaft als besonders problematisch, dass es zuletzt nur noch einen offiziellen Wolfsberater für das Ammerland in der Liste des Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz gab – Dr. Uwe Bruns. Zwei weitere, Ralf Lohse und Anika Börris, stehen wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Ministerium nicht mehr in der Liste.

Wolfsmonitoring in Niedersachsen

Alle Daten zum Wolf, vor allem aber die Risse, werden im sogenannten Wolfsmonitoring der Geschäftsstelle der Landesjägerschaft in Hannover erfasst und wissenschaftlich ausgewertet.

Das Ziel ist es , die Entwicklung der Population, das Verhalten der im Land anwesenden Wölfe, Übergriffe auf das Wild und auf Nutztiere zu beobachten und festzustellen, um daraus neue Erkenntnisse für das jetzige Handeln und für die Zukunft zu gewinnen.

Die Daten des Wolfsmonitorings sind im Internet einzusehen. Über die Seite oder über eine frei zugänglich Smartphone-App mit dem Namen Wolfsmeldungen Niedersachsen kann zudem jeder selbst Beobachtungen an die Landesjägerschaft melden.

Das Ministerium verlangt von den ehrenamtlichen Beratern, gegenüber Tierhaltern und der Öffentlichkeit die „fachlichen Positionen des Landes zu vertreten“. Werden sie zu einem vermeintlich gerissenen Tier gerufen, sollen sie keine eigenen Einschätzungen dazu abgeben, ob oder mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Wolf der Verursacher war. Diese Einschätzung bleibt den Fachleuten des Ministeriums vorbehalten. Von ihr hängt ab, ob der Tierhalter für seinen Schaden einen Ausgleich bekommt.

Nur wer bereit ist, diese Vorgaben einzuhalten, wird für zwei Jahre zum ehrenamtlichen Wolfsberater ernannt.

Frei sprechen

Unter niedersächsischen Jägern und in der Politik ist von einem „Maulkorb“ für die Berater die Rede, die Ammerländer Jägerschaft nennt es Kommunikationsbarrieren, die den Beratern innerhalb des vom Ministerium gesteuerten Wolfsrissmanagements auferlegt würden.

Dass sich Lohse und Börris diesen Barrieren nicht unterwerfen wollten, sei ihr gutes Recht, sagt Lohkamp. Sie arbeiteten nicht nur ehrenamtlich, sondern aus ihrem Selbstverständnis auch fachlich kompetent. Halter von Nutztieren würden nur dann Vertrauen in das sogenannte Wolfsmonitoring haben, wenn die Berater frei sprechen und offen ihre Einschätzungen abgeben könnten, ist Börris überzeugt.

Gerade weil die Tätigkeit als Wolfsberater ein Ehrenamt ist, sind die Ammerländer Jäger aber davon überzeugt, dass ein Berater nicht ausreiche. „Im Schadensfall ist es wichtig, bei Rissen schnell zu reagieren, jedes Detail zu erfassen, zu dokumentieren und die Daten in das landesweite Wolfsmonitoring zu übertragen“, so Lohkamp.

Deshalb haben die Ammerländer Jäger einen Sonderweg entwickelt. Ist der offizielle Berater nicht erreichbar, können sich Halter von Nutztieren nach einem Vorfall weiter an Börris und Lohse wenden.

„Wir setzen weiterhin auf ihre Kompetenz. Sie sind geschulte Wolfsberater und haben viel Erfahrung im Umgang mit Betroffenen nach Wolfsrissen“, so Lohkamp.

Amtshilfe für Landkreis

Gemeinsam mit Kreisjägermeisterin Talke Ruthenberg hat er mit Landrat Jörg Bensberg vereinbart, dass Ralf Lohse und Anika Börries zukünftig Amtshilfe für den Landkreis leisten können. Die Abwicklung der Risse, die Dokumentation von Ort, Zeit und Schaden sowie die Entnahme von DNA-Proben durch die Wolfsberater wird im Auftrag des Landkreises erfolgen. Der Versand der Proben, übernimmt das Veterinäramt. „Diese klare Vorgehensweise schafft Sicherheit und Vertrauen bei Betroffenen nach Rissen, vor dem Hintergrund zu stellender Anträge zum Schadensausgleich“, sagt Ruthenberg. Darüber hinaus sollten auch Risse von Wildtieren oder Hinweise auf die Anwesenheit des Wolf in der Region durch Dokumentation von Fährten, Losungen oder Fotoaufnahmen in jedem Fall den drei Wolfsberatern gemeldet werden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Revierinhaber oder Bürger diese entdecken und sich melden. Alle drei Wolfsberater sind über die Internetseite der Jägerschaft des Landkreises Ammerland erreichbar. Die Adressen und Telefonnummern sind hinterlegt.

Christian Quapp
Christian Quapp Team Nord (Leitung)
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