Brake - Verschollene Schiffe und über Bord gegangene Seemänner, darüber ging es am Donnerstag im passenden Ambiente des Schiffahrtsmuseums bei einem Vortrag von Dr. Matthias Nistal, dem stellvertretenden Leiter des Staatsarchivs Oldenburg. Nistal berichtete über die Arbeit des Braker Seeamts, vor dem in den 70 Jahren seines Bestehens – 1878 bis 1948 – mehr als 600 Fälle verhandelt wurden.
Gleich zu Beginn berichtete Nistal über einen Seemann namens Kieling, der vor der Isländischen Küste über Bord gegangen war. Obwohl die Mannschaft ihm Rettungsring und -leinen zuwarf, versank er, ohne einen Laut von sich zu geben. Daher auch das Motto des Vortrags – der stille Schrei.
Ähnliche Unglücke beschrieb Nistal in seinem Vortrag viele, er kennt auch die Lebensgeschichte der verunglückten Männer. Zum Teil hat Nistal Bilder der Schiffe ausfindig gemacht, auf denen die Männer angeheuert hatten. Auch den Abschiedsbrief eines Seemanns fand Nistal bei den Akten. Der Mann war an einem Heiligabend vom Schiff in die Nordsee gesprungen, sein Fehlen wurde erst am nächsten Morgen bemerkt.
Ein weiteres Unglück, das in Brake verhandelt wurde, geschah bei der gemeinsamen Fahrt der Schiffe Taurus und Arngast. Die Taurus war 1926 vor Kap Arcona gesunken. Das Ganze ging so schnell, das niemand auf der Arngast etwas davon mitbekam.
Das Seeamt Brake kam zu dem Schluss, dass sich auf dem Schiff bei einer Temperatur von -14 Grad Celsius und schwerer See eine große Menge an Eis an den Aufbauten gebildet hatte, was die Taurus dann kentern ließen. Grund für diese Annahme war, dass die Mannschaft das Partnerschiff Arngast, als es einen Hafen erreichte, erst einmal von 18 Tonnen Eis befreien mussten.
Vor dem Seeamt mussten alle Unglücksfälle verhandelt werden, die ein Schiff, das im Bereich des Braker Seeamts zu Schaden kam oder dort seinen Heimathafen hatte, betrafen. Das Seeamt Brake war für das Meeresufer des Oldenburger Großherzogtums und später dann des Freistaats Oldenburg zuständig. 1948 wurde das Seeamt aber geschlossen, die Akten kamen ins Staatsarchiv nach Oldenburg, wo sich Nistal ihrer annahm.
