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Analyse: Aung San Suu Kyis hässliches Gesicht

06.09.2017

Als sie den Friedensnobelpreis mit 21 Jahren Verspätung entgegennahm, weil das Militär in Myanmar sie über Dekaden eingesperrt hatte, galt Aung San Suu Kyi als absolute Menschenrechts-Ikone. „Wo auch immer Leiden ignoriert wird, werden Konflikte gesät, weil Leiden erniedrigt, erbittert und erzürnt“, sagte die heute 72-Jährige 2012 in ihrer Rede in Oslo. Im Konflikt mit der muslimischen Minderheit in ihrem Land zeigt die inzwischen De-facto-Regierungschefin ein ganz anderes Gesicht.

Während die Rohingya in ihrem Siedlungsgebiet im Westen Myanmars vom Militär und militanten Buddhisten verfolgt werden, fordern inzwischen die UN, der Papst und Menschenrechtler weltweit ein Eingreifen Suu Kyis. Doch die Appelle prallen an ihr ab. Stattdessen verteidigt sie das brutale Vorgehen des Militärs.

Laut den UN sind in den vergangenen Wochen Hunderte Rohingyas getötet worden, Zehntausende fliehen ins benachbarte Bangladesch. Das mehrheitlich buddhistische Myanmar verweigert der muslimischen Volksgruppe den Status als Minderheit und die Bürgerrechte, obwohl viele von ihnen seit Generationen im Land leben. Nachdem eine Rohingya-Miliz im Oktober 2016 Grenzposten der Polizei attackiert hatte, begann ein gnadenloser Feldzug. UN-Vertreter werfen dem Militär Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen vor.

Welche Strategie Suu Kyi damit verfolgt, bleibt rätselhaft. Doch Kritikern zufolge hat Suu Kyi sich auf die Seite der Armee und der buddhistischen Nationalisten geschlagen. „Eine der am meisten gefeierten Menschenrechts-Ikonen unserer Zeit ist heute eine Verteidigerin von Genozid, ethnischen Säuberungen und Massenvergewaltigungen“, schrieb der britische Autor Mehdi Hasan auf der Investigativ-Plattform „The Intercept“. Der Dissident Maung Zarni sagte, der Westen werde sich derzeit „der hässlichen Realität bewusst, dass Suu Kyi weder prinzipientreu noch liberal“ sei.

Ob Suu Kyi die Empfehlungen der von ihr eingesetzten Kommission unter dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan umsetzen wird, die Diskriminierungen gegen die Rohingya aufzuheben, ist unwahrscheinlich. Auch lehnt ihre Regierung eine UN-Untersuchungsmission ab.

Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai erklärte jüngst, sie habe die „tragische und beschämende Behandlung der Rohingya“ wiederholt verurteilt. Sie warte weiter darauf, dass Suu Kyi dasselbe tue: „Die Welt wartet, und die Rohingya-Muslime warten.“

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