• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Bayerisch, eigensinnig, prägend

10.09.2020

Auf ihren Eintritt in die CSU ist Berntrud Stark bis heute stolz. Das war 1945, sie war ein Teenager. „Und wir hatten die schlimme Nazi-Zeit gerade hinter uns“, erinnert sich die 92-Jährige aus Fürstenzell bei Passau. Die Idee zur Mitgliedschaft habe ihr Bruder gehabt, nach dem Krieg an der Ostfront. „Hier konnte man endlich ohne Angst vor den Nazis sagen, was man denkt.“ 75 Jahre ist es nun her, dass die CSU gegründet wurde und Berntrud Stark in die Partei eintrat.

Beide haben seither viel erlebt, und wenn man mit der alten Dame über die Geschichte der CSU spricht, gerät sie immer wieder ins Schwärmen. Dabei fallen immer wieder zwei Namen: Franz Josef Strauß und Alois Hundhammer. Wie viele in der CSU verehrt Stark den einstigen Parteichef Strauß. Und Hundhammer, den auch in Bayern weniger bekannten Ex-Minister und Landtagspräsidenten, habe ihr Vater gut gekannt.

Dass die CSU ihren 75. Geburtstag am nächsten Samstag wegen der Corona-Krise nicht groß feiern kann, ist für Stark schrecklich: „Eine Feier wäre mehr als angebracht, aber es geht einfach nicht.“

Die CSU wuchs stetig, Anfang der 1970er Jahre hatte sie erstmals mehr als 100 000 Mitglieder. 1990, im Jahr der Wiedervereinigung, waren es 186 000, bis heute der Rekord, aktuell sind es nach Angaben der Partei rund 140 000. Wie auch die CDU oder auch die SPD kämpft die CSU seit Jahren nicht nur mit einer Überalterung. Das Durchschnittsalter der Mitglieder beträgt derzeit 59 Jahre, und mit 21 Prozent sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. 1990 waren gar nur 15 Prozent der Mitglieder weiblich.

Dass die CSU von einer Regionalpartei zu einer Partei heranwachsen würde, die nicht nur über Jahrzehnte die Regierung in Bayern stellt, sondern auch auf Bundes- und Europaebene Einfluss hat, konnte sich 1945 keiner vorstellen. In ihrem ersten programmatischen Konzept, der Zehn-Punkte-Erklärung, wurden mit dem Wiederaufbau des Deutschen Reichs, sozialer Gerechtigkeit, „der rücksichtslosen“ Bekämpfung von Korruption sowie der internationalen Friedensgestaltung aber bereits Ziele weit über den Freistaat hinaus formuliert.

Dabei, davon kann auch Berntrud Stark viele Geschichten erzählen, hat die CSU seit 1945 nicht nur Erfolge gefeiert, sondern auch viele Krisen durchstehen müssen. Für Stark gehört dazu auch, dass die CSU bei Wahlen nicht mehr an die Ergebnisse früherer Jahre mit Werten von 60 Prozent und mehr herankommt. Die Machtkämpfe mit der CDU – 1976 mit dem Kreuther Trennungsbeschluss zur Auflösung der Unionsfraktion im Bundestag und 2015 mit dem Streit um die Zuwanderung – habe sie genau verfolgt. „Es war gut, dass die CSU für ihre Ansichten gekämpft hat.“ Auf den heutigen Parteichef Markus Söder setzt Stark große Hoffnungen – er sollte aus ihrer Sicht in die Fußstapfen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) treten. „Er ist zwar nicht so wie Strauß, der konnte wie kein anderer auf den Tisch hauen, aber er kann gut reden und ist sehr sympathisch.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.