• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

China plant die totale Überwachung

24.10.2017

China plant die totale Überwachung. In der „neuen Ära des Sozialismus chinesischer Prägung“, die Xi Jinping mit Abschluss des Parteikongresses am Dienstag in Peking einläutet, ist der Aufbau eines weltweit einmaligen digitalen Kontrollapparats geplant. Ein „gesellschaftliches Bonitätssystem“ soll jeden Chinesen erfassen und seine „Vertrauenswürdigkeit“ mit Plus- und Minuspunkten einstufen. Wie der „Große Bruder“ (Big Brother) in George Orwells Roman „1984“ greift „Onkel Xi“ (Xi Dada), wie der Staats- und Parteichef genannt wird, tief in die Privatsphäre seines Volkes ein.

„Es ist zweifellos das ehrgeizigste orwellsche Vorhaben der Menschheitsgeschichte“, sagt Sebastian Heilmann, Direktor des China-Instituts Merics in Berlin. Galt der Informationsfluss über das Internet lange als Bedrohung für autoritäre Systeme, benutzt Chinas Führung Künstliche Intelligenz wirksam als Werkzeug, um das Milliardenvolk zu kontrollieren.

„Das Ziel des Systems ist, eine gute soziale Ordnung und eine harmonische Entwicklung zu schaffen“, sagt Guo Tao, Unterstützer des Projekts und Vizedirektor des Zentrums für elektronischen Handel, in dem Experten von Universitäten und Instituten zusammenarbeiten. „Die Bonität einer Person lässt sich von einfachen Dingen ableiten“, schildert der Experte: Ob er seine Stromrechnung rechtzeitig bezahlt, gegen Verkehrsregeln verstößt, Gerichtsbeschlüsse befolgt, seine Kredite regelmäßig abbezahlt und Verträge einhält. Ob sich jemand nur mit Spielen im Internet vergnügt oder das Parteiorgan „Volkszeitung“ liest – alles könnte künftig benotet werden, schildern Experten. Erst recht politische Aktivitäten. Viele Dissidenten tun gefährliche Dinge, die der Entwicklung des Landes schaden“, sagt Guo Tao. Wer nicht in „Pornografie, Gewalt und politische Opposition“ verwickelt sei, habe nichts zu befürchten.

Das System „erhöht den Preis für unrechtmäßiges Verhalten“, schildert Guo Tao. „Wer einmal seinen Kredit verspielt hat, wird es schwer haben, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.“ Schon heute wird befürchtet, dass es mit schlechten „sozialen Noten“ schwierig werden könnte, sein Kind auf eine gute Schule zu bringen, einen Studienplatz und Job zu bekommen oder einen Kredit aufnehmen zu können. Aber wie wird „Vertrauenswürdigkeit“ überhaupt definiert? Ganz einfach, findet Guo Tao: „Alle Worte und Taten, die gut für Land und Volk sind, gelten als gutes politisches Verhalten.“ In sozialen Medien sollten sich Nutzer auf jeden Fall zurückhalten. „Ich würde dazu raten, dass einfache Leute es vermeiden, zu viel über Politik zu diskutieren.“ Und was ist, wenn eine falsche Information zu schlechten Noten führt? Das sei noch nicht geregelt. Vielleicht müsse der Betroffene dann nachweisen, dass die Information falsch sei.

Der nächste Schritt ist Gesichtserkennung. Das Ministerium für Staatssicherheit entwickelt ein einmaliges, flächendeckendes System, das innerhalb von drei Sekunden jeden der 1,3 Milliarden Chinesen mit 90-prozentiger Sicherheit erkennen soll.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.