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Aktualisiert vor 24 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Ein warmes DDR-Nest für Terroristen

10.06.2020

Ingrid Becker, Chemielaborantin aus Ost-Berlin, ist nicht Ingrid Becker. Es ist die mit Steckbrief gesuchte Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF) Susanne Albrecht. Als sie vor 30 Jahren am 6. Juni 1990 in ihrer Neubauwohnung in Marzahn verhaftet wird, leistet die 39-Jährige keinen Widerstand.

Es war ein Paukenschlag, eine fast unglaubliche Nachricht, die der damalige DDR-Innenminister Peter Michael Diestel am Tag darauf verkündete. Zehn in der DDR untergetauchte Terroristen der linksextremistischen Gruppe aus dem Westen flogen auf.

Jahrelang hatten die RAF-Terroristen aus der zweiten Generation im „Arbeiter- und Bauern-Staat“ mit neuen Namen und Biografien unter dem Schutz der Stasi gelebt und gearbeitet, so in Schwedt, Dresden, Senftenberg, Eisenhüttenstadt, Hoyerswerda, Erfurt.

Susanne Albrecht, die in der DDR zunächst Ingrid Jäger war und später heiratete, war wegen ihrer Beteiligung an dem Mordanschlag auf den Frankfurter Bankier Jürgen Ponto Ende Juli 1977 gesucht worden. Die heute 69-Jährige wurde wegen mehreren Anschlägen zu zwölf Jahren Haft verurteilt, aber 1996 vorzeitig entlassen. Sie lebt – wieder mit neuem Namen – in Norddeutschland. Nach ihren Verhaftungen waren die RAF-Mitglieder noch kurz vor der Einheit in die Bundesrepublik überstellt und einige verurteilt worden. „Unregelmäßigkeiten“ in den DDR-Melderegistern seien dem neuen Zentralen Kriminalamt (seit Februar 1990 Teil des Innenministeriums der DDR) aufgefallen, erinnert sich Ex-Minister Diestel. „Es konnte nicht sein, dass etwa 1983 einfach ein Mensch entsteht, der nach Eisenhüttenstadt zieht – ohne Vorgeschichte.“

In seinem Buch „RAF im Osten“ beschreibt Autor Frank Wilhelm, wie die Stasi-Abteilung XXII zur Terrorabwehr des Ministeriums für Staatssicherheit Regie führte bei dem Deal mit den RAF-Aussteigern. Der Journalist der Zeitung „Nordkurier“ schreibt, die DDR habe zwar nach außen Terroranschläge verurteilt, es habe aber eine unterschwellige Sympathie für die RAF gegeben – weil beide denselben Feind sahen: den westdeutschen Staat. Zudem habe die Stasi das Insiderwissen der RAF-Leute abschöpfen und sie zugleich unter Kontrolle haben wollen. Stasi-Minister Erich Mielke habe die Idee verfolgt, die RAF im Ernstfall in der Bundesrepublik einzusetzen, heißt es im Buch.

Laut RAF-Experte Tobias Wunschik von der Stasi-Unterlagen-Behörde ließ die DDR schon seit Mitte der 70er Jahre wissentlich RAF-Leute durchreisen. Im Gegenzug sei zugesichert worden, keine Anschläge in der DDR zu verüben.

Nach ihrer Enttarnung ließ Ex-SED-Partei- und Staatschef Erich Honecker mitteilen, er habe erst aus der Presse von der Aufnahme der Terroristen in der DDR erfahren.

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