Die Afrikanische Schweinepest (ASP) setzt ihren tödlichen Zug um die Welt fort. Deutschland blieb von der Seuche bisher verschont – doch Fälle in Polen nahe der Grenze zu Brandenburg verstärken die Sorge vor einer Einschleppung gerade wieder. Die Angst ist berechtigt: Einmal im Land, lässt sich das Virus nur schwer wieder tilgen. Binnen eines Jahres breitete sich der für Haus- und Wildschweine tödliche Erreger in großen Teilen Chinas und Vietnams aus. Auch Osteuropa, Russland, die Mongolei und viele afrikanische Staaten sind betroffen.
„Nur die Kontinente Australien und Amerika sind noch frei“, sagt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald, Thomas Mettenleiter. Die Erforschung der für Menschen ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest (ASP) sei in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt der Arbeit des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems geworden.
Während in Afrika blutsaugende Lederzecken für die Verbreitung des Erregers sorgen, sind es in Europa und anderswo Blut und Körperflüssigkeiten infizierter Tiere. Das Virus greift die Blutgefäße und Immunzellen an, es kommt zu Blutungen. Manchmal schon nach 48 Stunden, oft nach etwa einer Woche sind die Schweine tot.
„Belastbare Zahlen erhalten wir nur aus der EU“, sagt Mettenleiter. Demnach zeigt sich in Osteuropa eine Zweiteilung: In den baltischen Staaten, Polen und Ungarn seien überwiegend Wildschweine erkrankt, in Rumänien und Bulgarien überwiegend Hausschweine. Der FLI-Präsident führt die hohe Zahl an Ausbrüchen auf die vielen Klein- und Kleinsthaltungen mit geringerem Seuchenschutz zurück.
Dass die Afrikanische Schweinepest Deutschland noch nicht erreicht hat, ist nach Ansicht Mettenleiters „reines Glück“. Der Ausbruch 2018 in Belgien bei Wildschweinen hätte demnach auch hierzulande passieren können. Der Fall weit weg von anderen Seuchengebieten gilt als ein weiterer Beleg dafür, dass der Erreger vor allem durch den Menschen weitergetragen wird. „Wildschweingebunden würde sich die Seuche lediglich 15 bis 20 Kilometer pro Jahr ausbreiten“, sagt Mettenleiter. Für Deutschland wären die wirtschaftlichen Auswirkungen im Seuchenfall riesig. Allein für Mecklenburg-Vorpommern mit gut 200 schweinehaltenden Betrieben rechnet das Ministerium in Schwerin bei einem Ausbruch mit einem Schaden von 980 Millionen Euro pro Jahr für Handelsausfälle, Tierverluste und Entschädigungszahlungen.
In China, dem weltweit größten Produzenten und Konsumenten von Schweinefleisch, schätzen Experten den direkten wirtschaftlichen Schaden bereits auf umgerechnet rund 127 Milliarden Euro. Die Hälfte des chinesischen Schweinebestandes fiel der Seuche zum Opfer. Ende vergangenen Jahres war er noch auf 300 bis 350 Millionen Tiere geschätzt worden. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im Mai dieses Jahres knapp 26 Millionen Schweine gehalten, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte.
Im Reich der Mitte und in Vietnam – nach Angaben des Agrarministeriums sechstgrößter Schweinefleischproduzent der Welt – entfielen auf Schweinefleisch bislang zwei Drittel des Fleischkonsums. Nun haben sich die Preise verdoppelt. Das weltweit gehandelte Schweinefleisch reicht nicht aus, um den Bedarf unvermindert zu decken. Die stark wachsende Nachfrage nach Schwein aus Deutschland und anderen Ländern hat nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) die Schlachtpreise steigen lassen. Auch deutsche Verbraucher müssen in der Folge nun für Schnitzel, Wurst und Braten etwas tiefer in die Tasche greifen.
Eine Impfung gegen die Afrikanische Schweinepest ist laut FLI-Präsident Mettenleiter nicht in Sicht, auch wenn Wissenschaftler weltweit daran arbeiteten. „Wir haben nichts, was einen vielversprechenden Hinweis gibt.“ Das ASP-Virus unterscheidet sich demnach komplett vom Erreger der klassischen Schweinepest. Es sei der bisher einzige bekannte Vertreter einer ganzen Virusfamilie.
Als einzigem der in Europa vom aktuellen Seuchenzug betroffenen Länder gelang es bisher Tschechien, Infektionsherde hermetisch abzuriegeln und das ASP-Virus wieder loszuwerden. Etwa ein Jahr nach einem Ausbruch im Jahr 2017 galt das Land wieder als seuchenfrei.
