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NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Kirchen fremdeln mit Berlin

26.11.2018

Knapp 20 Jahre nach dem Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin fremdeln die großen Kirchen noch immer mit der Hauptstadt. Die zentralen Stellen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sitzen weiter in Hannover, das Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik in Frankfurt, und für die katholische Kirche ist die alte Bundeshauptstadt der organisatorische Mittelpunkt geblieben. Das Sekretariat der Bischofskonferenz hat dort seinen Sitz, ebenso das Katholische Medienhaus und die Deutsche Ordensoberenkonferenz. Und natürlich die mit 170 Jahren Tradition älteste nationale Einrichtung des deutschen Katholizismus: das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien im Land sitzt seit seiner Nachkriegs-Wiedergründung 1952 in Bonn-Bad Godesberg. Im ersten halben Jahrhundert der Bundesrepublik war die Stadt am Rhein ein beinahe zwingender Standort. Die Bischöfe hatten in der Adenauer-Ära das Katholische Büro in Bonn als ihre offizielle Vertretung gegenüber Staat und Politik fest etabliert. Und nachdem auch der Sekretär der Bischofskonferenz seit 1973 fest von Bonn aus agierte, gab es für den deutschen Katholizismus gar keine Alternative. Das galt auch für das Organ, mit dem sich der Laienkatholizismus gegenüber Parlament, Parteien und Regierung Gehör verschaffen wollte.

Doch mit dem Umzug des politischen Machtzentrums nach Berlin änderte sich vieles. Die Apostolische Nuntiatur und das Katholische Büro als offizielle Repräsentanten ihrer Kirche zogen in die Hauptstadt, ebenso die Kurie des katholischen Militärbischofs. Auch andere liebäugelten mit diesem Schritt.

Der katholisch ausgerichtete Verlag Herder versetzte die Redaktionen der Monatszeitschriften „Herder Korrespondenz“ und „Stimmen der Zeit“ nach Berlin, blieb aber mit der Zentrale im Badischen. Ähnlich der Deutsche Caritasverband, der seine Pressestelle in ein Hauptstadtbüro verlagerte, die Zentrale aber in Freiburg beließ. Auf protestantischer Seite arbeitet das „Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung“, zu dem auch die Aktion „Brot für die Welt“ gehört, seit 2012 komplett von Berlin aus. Die katholischen Hilfswerke sind weiterhin im Süden und Westen der Republik ansässig, wobei Misereor ein Hauptstadtbüro in Berlin hat.

Für das ZdK stellt sich jetzt die Umzugsfrage mit neuer Dringlichkeit. Seine Immobilie ist so renovierungsbedürftig, dass man vor der Wahl steht, entweder in Bonn neu zu bauen oder nach Berlin umzuziehen. Ein Immobilienangebot in Berlin Mitte gleich neben dem evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Haus kommt da gelegen. Auch die Tatsache, dass der im Rheinland verwurzelte langjährige ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper für das kommende Jahr seinen Rückzug in den Ruhestand angekündigt hat, könnte einen Ortswechsel erleichtern.

Doch auch das ZdK sieht sich mit den Vorgaben der konfessionellen Geografie Deutschlands konfrontiert. Gibt es doch östlich der Elbe nur wenige Inseln mit nennenswerten katholischen Bevölkerungsanteilen. Von 24 Millionen Katholiken leben mehr als 23 Millionen in der alten Bundesrepublik. Und so liegt Bonn ungefähr in der Mitte zwischen den bevölkerungsreichen katholischen Hochburgen im Süden und im Westen. Bei der am Samstag beendeten Vollversammlung des ZdK in Bonn warb Präsident Thomas Sternberg gleichwohl für einen Umzug.

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