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NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Kugelschreiber hat ausgedient

08.10.2019

Ministerpräsidenten, die auf Youtube Videospiele spielen. CDU-Wahlhelfer, die über eine App Punkte sammeln und vergleichen, wer die größere „Legende“ ist: So sieht Wahlkampf im Jahr 2019 aus. Die Zeiten, in denen Politiker Kugelschreiber verschenkten und sich auf ihre Plakate am Straßenrand verlassen konnten, sind lange vorbei.

Social Media hat den Wahlkampf grundlegend verändert. Das zeigt sich auch vor der Thüringer Landtagswahl am 27. Oktober. Er ist direkter, emotionaler und persönlicher geworden, wie der Jenaer Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie, Tobias Rothmund, sagt. Überall und zu jeder Zeit können Wähler angesprochen und mobilisiert werden und die Inszenierungsmöglichkeiten für Politiker vervielfältigen sich.

„Hallo Leute! Schön, dass ihr wieder da seid. Ich bin der Bodo. Und ich wollte euch was verraten: Ich beschäftige mich manchmal mit Video Games.“ Wenige Wochen vor der Wahl präsentiert sich Thüringens Ministerpräsident Ramelow so in einer Reihe von Youtube-Videos. Auf ironische Weise greift der Linken-Politiker gängige Stilmittel von „Influencern“ auf – also von Menschen, die ihr Geld damit verdienen, Dinge und Themen im Internet anzupreisen. Die sozialen Medien ganz links liegen zu lassen, kann sich aber auch niemand leisten. „Man wird keine Wahl nur mit einem extrem guten Social-Media-Wahlkampf gewinnen, aber man wird auf jeden Fall eine Wahl verlieren, wenn man es nicht nutzt“, sagt der Politikberater Martin Fuchs.

Die Parteien im Thüringer Landtag haben dafür extra Mitarbeiter. Alle veröffentlichen bezahlte Werbe-Beiträge in verschiedenen Netzwerken, vor allem bei Facebook und Instagram. Nicht alle wollten auf Nachfrage sagen, wie viel Geld sie für den Online-Wahlkampf ausgeben. Die Thüringer Grünen zahlen dafür ebenso wie die Linke einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Auch die Thüringer SPD spricht von einer fünfstelligen Summe. „Selbstverständlich nutzen Politiker Social Media auch, um ihr Image aufzupolieren“, sagt Fuchs. „Es allerdings hauptsächlich dafür zu nutzen, ist zum Scheitern verurteilt.“

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