Emmanuel Macron vermittelt in der Libanon-Krise, veranstaltet einen Klimagipfel mit 4000 Teilnehmern, spricht vor der Trauerfeier für Rockstar Johnny Hallyday und telefoniert nachts mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump. „Frankreich ist wieder da“ – so oder so ähnlich lautet das Motto. Der jüngste französische Staatspräsident aller Zeiten tritt bei vielen Anlässen auf, reist häufig ins Ausland, regiert straff von oben und lässt die Minister dabei recht blass aussehen. Mitarbeiter wirken mitunter müde, manche haben tiefe Ringe unter den Augen. „Emmanuel Macron ist überall und beschäftigt sich mit allem“, resümierte die angesehene Zeitung „Le Monde“. An diesem Donnerstag feiert der Politjungstar seinen 40. Geburtstag.

Macron kam vor gut sieben Monaten an die Macht, setzte sich in der Endrunde gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durch. Einige dachten, der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker würde in den historischen Salons seines schicken Amtssitzes einen Gang zurückschalten. Das Gegenteil ist der Fall. Der Absolvent der Elitehochschule ENA und Gründer der Partei La République en Marche setzt mit großer Energie sein Wahlprogramm in die Tat um und scheut dabei keinen Konflikt. „Ich mache das, was ich sage“, lautet sein Credo. Reformgegner heißen bei ihm schon mal „Müßiggänger“.

Die versprochene Lockerung des Arbeitsrechts kam im Herbst in trockene Tücher, eine bequeme Parlamentsmehrheit half dem Senkrechtstarter dabei. Beobachter meinen, die für 2018/19 angekündigte Rentenreform werde ein viel dickerer Brocken sein, da sie das Herz des französischen Sozialsystems berühre.

„Präsident der Reichen“ – diesen wenig schmeichelhaften Titel konnte der wendige Staatschef bisher nicht so richtig abschütteln. Er habe es bisher nicht geschafft, „auf das Bedürfnis nach Schutz und Gerechtigkeit einzugehen“, das viele Franzosen äußerten, bilanziert der Generaldirektor des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, Brice Teinturier, in „Le Monde“. Ipsos und andere Institute bescheinigten Macron zuletzt aber steigende Umfragewerte, nachdem sie im Sommer abgestürzt waren.

In Frankreich hat Macron weitgehend freie Bahn, da die Lager der politischen Linken und Rechten im Umbruch sind und eine für ihn gefährliche Opposition fehlt. Rivalin Le Pen ist mit Grabenkämpfen ihrer Partei beschäftigt.

In Europa ist es allerdings viel schwieriger, Tempo zu machen. Macron dringt vor den Europawahlen im Frühjahr 2019 auf Reformen. Doch aus Berlin fehlen wegen der langwierigen Regierungsfindung verbindliche Antworten auf seine Vorschläge wie einen Eurozonenhaushalt oder eine europäische Interventionstruppe. Der sozialliberale Toppolitiker setzt darauf, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) seine Ansprechpartnerin bleibt und bis März mit der SPD eine Regierung bilden wird.

Gerade in Deutschland gibt es viel Zutrauen, und im Mai kommenden Jahres wird Macron in Aachen den prestigeträchtigen Karlspreis entgegennehmen. „Macron steht für einen weitreichenden Umbau des politischen Systems und eine wirtschaftliche Erneuerung in Frankreich“, sagte der deutsche Botschafter in Frankreich, Nikolaus Meyer-Landrut. „Wir haben großes Interesse daran, dass er das schafft.“

Der Präsident feierte am Wochenende schon einmal in der Nähe des Loire-Schlosses Chambord seinen Geburtstag vor und besuchte im Zoo Beau­val einen kleinen Pandabären, dessen Patin seine Frau ist. An diesem Donnerstag stehen ein Treffen mit dem Chef der französischen Post und andere Termine auf dem offiziellen Programm, aber keine Feier.