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NWZonline.de Nachrichten Politik

Mit Erdgas zu noch mehr Einfluss

06.12.2019

Zum Start in den Winter ist Präsident Wladimir Putin in seinem Element – mit dem Knopfdruck für das größte Gas-Pipeline-Projekt seines Lebens. „Kraft Sibiriens“ heißt diese erste Leitung zwischen Russland und China. Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping haben lange auf den Moment hingearbeitet.

Problem Ostsee-Leitung

Am 8. Januar will Putin in der Türkei mit Präsident Recep Tayyip Erdogan die durch das Schwarze Meer verlegte Leitung Turkish Stream in Betrieb nehmen. Ein zweiter Strang soll dann Gas später womöglich durch Griechenland leiten und von dort weiter nach Süd- und Südosteuropa. Am heikelsten aber ist für den bisweilen scherzhaft „Gas-Putin“ genannten Kremlchef der Start der Ostseepipeline Nord Stream 2.

Die USA, mehrere EU-Staaten und die Ukraine wollen die 1230 Kilometer lange Leitung stoppen. US-Präsident Donald Trump hatte die Europäer davor gewarnt, sich zu Geiseln russischer Energielieferungen zu machen. Er hofft, mit dem Fracking-Verfahren gewonnenes Flüssiggas in Europa zu verkaufen. Doch kann Russland aus seinen immensen Lagerstätten den Rohstoff noch lange deutlich günstiger anbieten.

Die Rohre für Nord Stream sind schon zu mehr als zwei Dritteln am Boden der Ostsee verlegt – und könnten noch bis Ende des Jahres den deutschen Anlandepunkt nahe Greifswald erreichen. Kostenpunkt rund zehn Milliarden Euro. 55 Milliarden Kubikmeter Gas sollen damit künftig in die EU fließen. „Sie werden versuchen, es in diesem Jahr fertig zu bekommen“, sagte Energieminister Alexander Nowak vor einigen Tagen. Die Russen schauen derweil immer noch aufmerksam auf die USA. Ihre Hoffnung ist groß, dass die von Washington angedrohten Sanktionen gegen Nord Stream 2 schon aus Zeitgründen nicht mehr kommen, bevor die Pipeline fertig ist.

Spannungen ohne Ende

Nach Deutschlands Ausstieg aus der Atom- und Kohle-Energie setzt Russland darauf, die Lücke künftig mit seinem Gas zu füllen. Vor allem aber wegen der Unsicherheiten über den genauen Start von Nord Stream 2 ist Russland vorerst weiter auf den Transit seines Gases durch die Ukraine angewiesen. Der Vertrag über Durchleitungsmengen und -gebühren läuft Ende dieses Jahres aus. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Präsident Putin hatte zuletzt bei einem Telefonat seinen ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj vor einem Transitstopp zum Jahresende gewarnt, sollte es keine neue Einigung geben. Die beiden Politiker treffen sich in einer Woche in Paris zum ersten Ukraine-Gipfel seit mehr als drei Jahren.

Wirtschaftliches Interesse haben beide Seiten: Die Ukraine ist von den russischen Gebühren für die Durchleitung des Gases in die EU abhängig. Und Russland braucht das größte Transitland noch, um sein Gas nach Westeuropa zu pumpen und dort die Energiesicherheit zu gewährleisten. Auch nach dem Start der Pipeline Sibiriens nach China bleibt Europa nämlich für Gazprom der wichtigste Exportmarkt.

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