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Analyse So wirkt Chinas Krise in Region

Andreas Landwehr Elmar Stephan

Schnitzel, Wurst und Braten vom Schwein – alles teurer. Die Schweinepest in China lässt in Deutschland die Preise in die Höhe schnellen. Doch warum ist das so?

Seit einem Jahr grassiert schon die Afrikanische Schweinepest im Reich der Mitte, dem weltweit größten Produzenten und Konsumenten von Schweinefleisch. Das tückische Virus ist für den Menschen zwar ungefährlich, doch für die Tiere schnell tödlich. „Es ist die gefährlichste Krankheit, die die Schweineindustrie je erlebt hat“, sagte die Expertin Cui Ernan vom Unternehmensberater Gavekal Dragonomics in Peking. Die Hälfte des Schweinebestands in China wurde bereits dahingerafft. Auch der Weltmarkt reicht nicht, um die Versorgungslücke im bevölkerungsreichsten Land zu füllen.

Preise steigen

Überall kaufen Importeure aus China jetzt Schweinefleisch – in Brasilien, den USA und eben auch in Europa. Während sich deutsche Bauern über höhere Schlachtpreise freuen, müssen Verbraucher beim Metzger tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Schweinefleisch stiegen im September um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, berichtete Thomas Els von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn.

Wie Matthias Quaing, Marktexperte bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands in Damme (Kreis Vechta), berichtete, stieg der Schlachtpreis von 1,50 Euro im vergangenen Jahr auf 1,85 Euro pro Kilogramm. Gute Nachrichten für die Züchter, weil sie besser kostendeckend produzieren. „Die Schweinehalter wissen aber auch, dass es in ein, zwei Jahren wieder ganz anders sein kann.“

So schnell wird sich China von der Schweinepest und den verheerenden Folgen für seine Schweinehaltung aber nicht erholen. Nach allen Erfahrungen wird es „bestenfalls fünf Jahre, schlimmstenfalls viele, viele Jahre“ dauern, sagte Cui Ernan von Gavekal Dragonomics. Die Herausforderungen in den kommenden fünf, zehn oder mehr Jahren seien groß. Dafür sei eine massive Transformation der Industrie von den heute in China weit verbreiteten Kleinzüchtern zu Großbetrieben mit strengen biologischen Kontrollen nötig.

Schon heute hat die Schweinepest in China mehr als eine Billion Yuan, umgerechnet 127 Milliarden Euro, an direkten wirtschaftlichen Schäden angerichtet, wie Li Defa von Chinas Landwirtschaftsuniversität schätzte. Die Zahl wollte der führende Tierexperte eigentlich geheim halten. „Sie sollte nicht an die Öffentlichkeit“, hieß es in seinem Umfeld. Doch geriet die als „realistisch“ eingeschätzte Kalkulation aus einem Indus­trieforum an die Öffentlichkeit, weil mutige Journalisten die Zahl berichteten.

Ausmaß vertuscht

Dass das Ausmaß der Seuche vertuscht wird, ist typisch für China, verhindert aber immer wieder ein schnelles Vorgehen. Ein ganzes Jahr nach dem ersten Fall im August 2018 musste Vizepremier Hu Chunhua einräumen: „Die wirkliche Lage der Epidemie ist viel schlimmer, als uns bewusst war.“

Aber auch die Entschädigungen waren in diesem Sommer noch so gering, dass es für die betroffenen Bauern wenig Anreize gab, einen Ausbruch zu melden. Die Tiere zu schlachten und das infizierte Fleisch heimlich auf dem Markt zu verscherbeln, war für die Züchter allemal lukrativer, was noch zur weiteren Ausbreitung der Schweinepest im Land beigetragen hat.

Der dramatische Rückgang der Schweinefleischproduktion hat die Preise in China im September sogar um 69,7 Prozent steigen lassen und treibt maßgeblich die Inflation voran. Die Unruhe im Milliardenvolk ist groß, da Schweinefleisch zu zwei Drittel zum Fleischkonsum beiträgt.

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