Auf Donald Trumps Weltkarte nimmt der Iran eine herausragende Stellung ein. Für den US-Präsidenten verkörpert die Führung des Landes das Böse, verantwortlich für Terrorismus und den Großteil allen Übels in Nahost. Immer wieder hat Trump Teheran scharf angegriffen. Die nun aufgebrochenen regimekritischen Proteste im Iran scheinen ihm als vermeintliche Bestätigung seines Kurses wie gerufen zu kommen. Doch für diese Verbindung gibt es keinen Anhaltspunkt. Die Lage ist viel komplexer, auch für die USA.

Geostrategisch hat Washington eindeutig Position bezogen. Mit den Verbündeten Saudi-Arabien und Israel gegen die andere große Regionalmacht, den Iran. Syrien, Irak, Jemen, Libanon: Teheran ist reichlich verstrickt in die Konflikte der Region.

Seit Beginn der Proteste erfährt Trump mit seiner Politik, täglich Kritisches an die Adresse Teherans zu twittern, naturgemäß viel Kritik. Aber es gibt ebenso Zustimmung und Bestärkung. Zunächst ist da die Raushalten-um-jeden-Preis-Fraktion. Trump leiste den Protesten einen Bärendienst, seine Tweets seien ein „Todeskuss“, war in der „New York Times“ zu lesen. Je mehr Washington sich einmische, umso mehr würden die Mullahs dies nutzen, um das Land damit gegen den großen Erzfeind zu einen.

Andere stellen einen Einfluss der USA auf die Proteste grundsätzlich in Abrede. „Wenn die Iraner entscheiden, sich zu erheben und ihre Regierung zu stürzen, wird das nicht als Folge einer Unterstützung Washingtons passieren“, schreibt Philip H. Gordon vom Think Tank Council on Foreign Relations in der „New York Times“.

Trumps Iran-Tweets schätzte Aaron David Miller vom Wilson Center bei CNN so ein: „Trump versucht wie so oft, sich selber ins Zentrum der Vorgänge zu rücken. Und er sieht eine Chance, wieder etwas anders zu machen als Barack Obama.“

Genau drauf gründet das „Wall Street Journal“ – aus dem Hause des Präsidentenfreundes Rupert Murdoch – seine rundweg positive Einschätzung von Trumps Kurs. Es empfiehlt, die täglichen Tweets fortzusetzen und die Kritik über persischsprachige Medien in den Iran zu verlängern. Außerdem sollten Sanktionen verhängt werden, wegen Korruption und Verbrechen. Dan Shapiro, bemerkenswerterweise vormals Obamas Botschafter in Israel, twitterte ins gleiche Horn. Er hoffe auf eine überparteiliche Koalition des Kongresses, um die Proteste und die Menschenrechte im Iran zu stützen. Die Trump-Regierung treffe den richtigen Ton.