• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Unter Merkel in die Krise

18.06.2020

Ihre Gründung war ein Wendepunkt in der deutschen Parteiengeschichte: Während die Nazi-Herrschaft zusammenbrach, zogen christliche Politiker und Gewerkschafter ihre Lehren aus dem Versagen der Parteien der Weimarer Republik und formierten eine überkonfessionelle christliche Volkspartei. In diesen Wochen wird die CDU 75 Jahre alt.

Dabei entstand die CDU aus vielen Initiativen überall in Deutschland. Kaum hatten die Alliierten Territorium eingenommen, begannen Mitglieder der 1933 aufgelösten Parteien, Gewerkschaften und Verbände mit dem Aufbau politischer Vereinigungen. Köln, Frankfurt und Berlin waren Zentren.

Am 16. Juni 1945 wurde der aus der Todeszelle befreite frühere Reichslandwirtschaftsminister Andreas Hermes in Berlin zum Chef der Union in der Sowjetzone gewählt. Ohne davon zu wissen, hoben rheinische Demokraten am Tag darauf in Köln die CDU in der Britischen Zone aus der Taufe. „Ein freies Volk soll wiedererstehen, dessen Grundgesetz die Achtung menschlicher Würde ist“, hieß es in den im Kölner Kolpinghaus verabschiedeten „Kölner Leitsätzen“.

Dass Berlin eine Vorreiterrolle beanspruchte, verstand sich von selbst. Doch Berlin, und nach der deutschen Teilung die gesamten sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR, war Schauplatz des Sündenfalls der CDU. Sie entwickelte sich im Osten während 40 Jahren DDR zu einer Stütze der kommunistischen Herrschaft und war als Juniorpartner der SED an der Machtausübung beteiligt. Der langjährige Parteichef Gerald Götting war Präsident des DDR-Scheinparlamentes „Volkskammer“ und Stellvertreter Erich Honeckers als Staatsratsvorsitzender. Er schrieb Bücher wie „Der Christ beim Aufbau des Sozialismus“.

Einen gänzlich anderen Weg gingen demokratische Politiker in der britischen Zone um Konrad Adenauer. Schließlich kam es zum „großen Reichstreffen“ im Dezember 1945 in Bad Godesberg. Dort wurde beschlossen, den Namen „Christlich-Demokratische Union“ anzunehmen. In der französischen und der amerikanischen Zone blieb ein Zusammenschluss noch verboten. Erst auf dem Goslarer Parteitag 1950 formierte sich die CDU bundesweit.

Gesellschaftspolitisches Ziel sollte nach den Worten Adenauers eine Demokratie sein, die „in der christlich-abendländischen Weltanschauung, in dem christlichen Naturrecht, in den Grundsätzen der christlichen Ethik wurzelt“. Zustimmung fand zunächst die Kölner Leitlinie eines „Sozialismus aus christlicher Verantwortung“. Schon im Februar 1947 wurde sie aber im Ahlener Programm durch eine liberalere Linie austariert. Leitvorstellung wurde ein dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus, der Privateigentum genauso bejahte wie seine Sozialpflichtigkeit. Leitwerte wurden Solidarität und Subsidiarität. Ludwig Erhard sprach von Sozialer Marktwirtschaft.

Von Adenauer bis Merkel: Keine Partei hat die Geschicke der Bundesrepublik so stark beeinflusst. 51 von 71 Jahren führte sie die Bundesregierung, stellte die Weichen für Westbindung und Soziale Marktwirtschaft. Auch die Einheit 1989/1990 fiel in ihre Regierungszeit.

Mittlerweile ist Krise angesagt: Nach dem Mauerfall ist der Partei der Kitt abhanden gekommen. Hatte die CDU (ohne CSU) 1990 noch rund 790 000 Mitglieder, waren es 2018 noch 414 905. Zugleich hat der Kurs der Vorsitzenden Angela Merkel viele Konservative heimatlos gemacht – etwa durch die Abschaffung der Wehrpflicht, den Atomausstieg, die Einführung der Homo-Ehe oder die Flüchtlingsfrage.

Was macht die CDU aus? Diese Frage stellt sich im breiter gewordenen Parteienspektrum. Wie sie sich gegenüber nationalkonservativen Haltungen und der AfD abgrenzt, wird vor allem in den östlichen Bundesländern beantwortet. Zur Zerreißprobe könnten aber auch Koalitionen mit den Grünen werden, mit denen es Schnittmengen etwa bei den Wählermilieus gibt. Auch das Verhältnis zur Linkspartei – etwa in Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern birgt Zündstoff. Daran ändert auch der Corona-bedingte Höhenflug in den Umfragen nichts.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Mitglied der Chefredaktion (Überregionales)
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2092
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.