Viel Schatten, wenig Kabinett: Das sogenannte „Kompetenz-Team“ von CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann sorgt bereits für mächtig Wirbel: Weniger beim Gegner, sondern mehr in den Reihen der CDU-Landtagabgeordneten. Mit jeder Nominierung wächst der Frustpegel in der Riege derjenigen Parlamentarier, die sich seit Jahren im Landtag abstrampeln und jetzt von Althusmann übergangen wurden. Der beste Nährboden für tiefe Enttäuschung. Und mehr. Spätestens beim zweiten Bier machen aussortierte Minister-Anwärter aus ihrem Herzen keine Mördergrube mehr. „Da sind ganze Karriereplanungen über den Haufen geworfen worden“, sagt jemand, der es genau wissen muss. So schafft man sich Gegner. In den eigenen Reihen. Ein Risiko.

Ein Schattenkabinett soll Furcht verbreiten. Bei den Amtsinhabern der Landesregierung. Doch die Althusmann-Garde ruft allenfalls ein müdes Lächeln in der rot-grünen Regierung hervor, obwohl dort Mitglieder mit vielen Schwächen und wenig Fortüne sitzen. „Althusmann soll ruhig so weitermachen. Damit trägt er Streit nur in die eigenen Reihen“, frohlockt ein Regierungsmitglied.

Seriös. Mit diesem Begriff mag das Schattenkabinett punkten. Mehr nicht. Der Leuchtturm: Fraktionschef Björn Thümler. Dem heimatverbundenen Politiker aus Berne traut man in der Landeshauptstadt nicht nur ein Ministeramt zu, sondern auch mehr: Landtags- oder sogar Ministerpräsident. Dass sich Thümler das Ressort des Finanzministers mit ein paar weiteren Beigaben gewünscht hat, verwundert höchstens. Als Mann der Zahlen ist der studierte Historiker und Politikwissenschaftler nicht aufgefallen. Aber dass der Fraktionschef auch im wichtigsten Ressort reüssieren kann, würden alle unterschreiben.

Danach wird’s eng. Zahlenfuchs Reinhold Hilbers sah sich schon im Finanzministerium und muss nun auf Frauen und Soziales umschulen. Sein begeistertes Gesicht spricht Bände, zumal die CDU auf das Sozialministerium eher verzichten würde. Bei Frank Oesterhelweg hält sich die Freude über das gewonnene Umweltressort ebenfalls in engen Grenzen. Der mit Leib und Seele begeisterte Bauer hatte das Agrarministerium im Auge. Dort soll Landvolk-Präsidentin Barbara Otte-Kinast hin. Ein eher unbekanntes Blatt.

Kein weiteres Mitglied der CDU-Landtagsfraktion hat Gnade vor den Augen des Spitzenkandidaten für das Schattenkabinett gefunden. Kein Kai Seefried, ein herausragender Schulexperte, der mit Kompetenz und brillanten Reden Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) seit Jahren in Landtagsdebatten das Fürchten lehrt. „See­fried spielt eine wichtige politische Rolle im Elbe-Weser-Dreieck“, fällt Althusmann nur zum übergangenen schulpolitischen Sprecher ein. Das „Lob“ klingt zynisch. Statt Seefried soll die unbekannte Wirtschaftsfrau Mareike Wulf Kultusministerin werden.

Keine Chance auch für so prominente Politiker wie Jens Nacke (Wiefelstede), Ulf Thiele (Uplengen), Helmut Dammann-Tamke oder Uwe Schünemann, der sich ein Comeback im Innenministerium erhoffte. Für ihn soll der Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung, Günter Heiß, Amtsinhaber Boris Pistorius (SPD) beerben. Heißes Zeit als Verfassungsschutzpräsident liegt lange zurück. Gar nichts mit Niedersachsens Politik haben bislang die Juristinnen Barbara Havliza (Justiz) und Tamara Zieschang (Wirtschaft) zu tun.

Wie Althusmann zu den Personalentscheidungen gekommen ist? Offenbar recht einsam. „Im stillen Kämmerlein“, sagt jemand. Die Fraktion blieb außen vor.