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Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten
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Aktualisiert vor 27 Minuten.

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Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten

NWZonline.de Nachrichten Politik

Wer füllt das Vakuum der USA?

08.01.2019

Der geplante Abzug der US-Truppen aus dem Norden und Osten von Syrien wird ein Vakuum schaffen, das verschiedene Nationen und Gruppen füllen wollen.

Die syrische Regierung, die Kurden, Russland, Iran, Israel und die Türkei haben dort alle eigene Interessen. Wenn die rund 2000 US-Soldaten die Region verlassen, könnten Spannungen neu aufbrechen oder sich verschärfen. Es drohen Chaos und Blutvergießen.

Um die Verbündeten der USA zu beruhigen, versprach der nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, John Bolton, am Sonntag in Israel, dass die Soldaten Syrien erst verlassen würden, wenn die Terrormiliz Islamischer Staat komplett besiegt sei und die Türkei Garantien für die Sicherheit der mit Washington verbündeten Kurden-Miliz YPG abgebe.

US-Präsident Donald Trump versicherte aber, dass der Abzug als solcher beschlossene Sache sei. „Wir werden unsere Truppen abziehen. Ich habe nie gesagt, dass wir es schnell machen würden“, sagte er am Sonntag.

Hier ein Überblick zu den vielfältigen Diskussionen:

  Das Gebiet

Es geht um rund ein Drittel der Fläche Syriens, das in etwa die Form eines Dreiecks hat. Im Norden bildet die Türkei die Grenze, im Osten der Irak. Die dritte Seite ist der Fluss Euphrat. Das Gebiet war Hochburg des IS. Erst als sich US-Soldaten mit den Kurden zusammentaten und eine rund 60 000 Mann starken Streitkraft bildeten, darunter auch einige syrische Araber und christliche Assyrer, gelang es, das Gebiet zurückzugewinnen.

Die Region ist strategisch wichtig. Für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geht es dabei nicht nur darum, die Souveränität über sein Land wiederzuerlangen. Einst war dort die Kornkammer des Landes, zudem liefern die Dämme am Euphrat Elektrizität, und es befinden sich dort einige der größten Ölquellen des Landes.

Ohne den Zugriff darauf wäre der Wiederaufbau des Landes für Assad deutlich schwieriger. Aber auch die kurdische Miliz finanziert sich zum Teil aus der Region.

Für die Kurden ist ihre Präsenz dort ein Schritt hin zum lange gehegten Traum von einer Autonomie. Die Türkei sieht kurdische Autonomiebestrebungen auf ihrer, aber auch auf syrischer Seite der Grenze als existenzielle Bedrohung und hat angekündigt, das zu verhindern.

  ASSAD UND RUSSLAND

Der Abzug der Amerikaner öffnet die Tür für Assad und seine russischen Unterstützer. „Das einzige Hindernis, das Assad davon abgehalten hat, die Kontrolle über den Osten des Landes zurückzugewinnen, war die US-Präsenz und damit der Schutz, den diese für die Kurdenmiliz bedeutete“, sagt Ayham Kamel von der Beratungsfirma Eurasia Group. „Wenn das weg ist, gibt es nichts mehr, was infrage stellt, dass das Regime die Kontrolle über diese Gebiete wiedererlangt.“

Ohne die Unterstützung der USA müssen sich die kurdischen Kämpfer an Russland und Assad annähern, um Schutz vor ihrem größten Feind, der Türkei, zu erhalten. Dass die YPG ganz verschwindet, gilt als unwahrscheinlich. Stattdessen könnten sie unter der erweiterten Kontrolle Assads in der Region weiter operieren. Bolton forderte sie am Sonntag auf, standhaft zu bleiben und sich nicht an Assad und Russland anzunähern.

Syrien wertet den Abzug der US-Soldaten als Niederlage der Amerikaner. Die Kontrolle über die Region wäre ein weiterer Baustein für Assads Sieg im Bürgerkrieg.

Gleichzeitig normalisieren mehrere arabische Staaten nach Jahren ihre Beziehungen zu Syrien wieder und geben Assad damit weiter Legitimität zurück, nachdem sie ihn jahrelang ausgegrenzt hatten. Die Vereinigten Arabischen Emirate etwa eröffneten kürzlich wieder ihre Botschaft in Damaskus.

  DIE TÜRKEI GEGEN
DIE KURDEN, RUSSLAND
UND ASSAD

Das türkische Militär ist zusammen mit rund 15 000 syrischen Rebellen bereit für eine Offensive im Osten, um die kurdische Kontrolle über die Grenze zu brechen. Doch das könnte nicht nur zu Spannungen mit den USA, sondern auch mit Russland führen. Vor allem könnte es den Waffenstillstand zunichte machen, den beide in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens vereinbart haben. Idlib ist unter Kontrolle von Rebellen und radikalen Islamisten, die Türkei hat dort Einfluss.

„Eine türkische Operation ist nicht in Russlands Interesse“, sagt der russische Analyst Juri Barmin. „Das würde die Situation destabilisieren, das Idlib-Abkommen und die Gespräche über einen Wiederaufbau untergraben. Zudem würde es unvermeidlich zu einem Konflikt mit Russland und dem Iran führen, wenn die Türkei sich dazu entschließt, alle kurdischen Gebiete einzunehmen.“

Die Türkei ist besorgt, dass die syrische Regierung wieder Kontrolle über den Osten erlangt.

Damaskus hatte die Kurden in der Vergangenheit immer wieder als Druckmittel gegen die Türkei eingesetzt und könnte das wieder tun.

  IRAN UND ISRAEL

Sollte die syrische Regierung ihren Machtbereich wieder weiter Richtung Osten ausdehnen, würde das auch dem Iran in die Karten spielen. Der Korridor, über den Waffen und andere Güter in den Libanon gebracht werden könnten, würde massiv ausgeweitet. Israel ist alarmiert, eine Ausweitung der Luftangriffe auf mutmaßliche iranische Stellungen in Syrien gilt als wahrscheinlich.

  DIE USA, DIE TÜRKEI UND DER IS

US-Präsident Trump sieht die Mission seines Landes in Syrien, den Kampf gegen den IS, als weitgehend erledigt.

Darüber hinaus gebe es keinen Grund für die USA, sich in den Konflikt einzumischen. Allerdings warnen Beobachter aus den Reihen der US-geführten Koalition, dass der IS nach einem Abzug wiedererstarken könne. Auch das wachsende Unbehagen unter den arabischen Stämmen im Osten des Landes gegen die kurdische Dominanz könnte Quelle für neue Spannungen sein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Trump angeboten, seine Soldaten könnten den Kampf gegen den IS übernehmen. Doch die Berichte über Missbrauch, Vertreibung und Gesetzlosigkeit, die nach vergangenen Offensiven aufkamen, nähren Zweifel, ob das den Osten nachhaltig befrieden kann.

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