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Anschläge auf Maishäcksler Wie eine Schraube Existenzen zerstören kann – Betroffener aus Vechta berichtet

Ein Maishäcksler und ein Traktor mit Anhänger bei der Maisernte: Immer häufiger ist es in den vergangenen Jahren zu Anschlägen auf landwirtschaftliche Betriebe gekommen.

Ein Maishäcksler und ein Traktor mit Anhänger bei der Maisernte: Immer häufiger ist es in den vergangenen Jahren zu Anschlägen auf landwirtschaftliche Betriebe gekommen.

Thomas Warnack/dpa

Im Nordwesten - Der Schock ist dem Fahrer eines Maishäckslers in Langförden, einem Ortsteil in Vechta, im Gespräch mit unserer Redaktion noch anzumerken. Immer wieder gibt es Anschläge auf landwirtschaftliche Betriebe. Und immer wieder geraten dabei auch Menschenleben in Gefahr. So auch am Montag, als der Mann, der gern anonym bleiben möchte, gegen 16 Uhr mit der Maisernte auf einem Feld begann.

Denn plötzlich geriet eine Schraube in die Maschine, zerstörte die Kornkräckeranlage des Häckslers komplett und schlug anschließend noch in einen nebenher fahrenden Anhänger ein. „Man kann nur von Glück reden, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagt der Fahrer. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dort eine Person gestanden hätte. Sonst seien dort auch häufiger Jäger unterwegs, an diesem Tag aber glücklicherweise nicht, berichtet der Mitarbeiter.

In dem Moment, wo die Schraube in die Maschine gerät, gebe es einen Ruck, einen Knall und während der Ernte sieht der Fahrer im vordersten Fahrzeug auch nur wenig durch die Gischt. Alles gehe dann sehr schnell.

Schrauben mit Kabelbinder befestigt

Wie die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta mitteilte, haben Unbekannte große Schrauben in etwa einem Meter Höhe mithilfe von Kabelbinder an Maispflanzen auf dem Feld befestigt. Bereits in den Vorjahren hatte es vergleichbare Anschläge nicht nur im Oldenburger Münsterland, sondern im gesamten Nordwesten gegeben. „Wir waren davon bislang noch nicht betroffen, umso weniger rechnet man damit“, berichtet der Fahrer. Alle Mitarbeiter stünden nun unter Schock. Bis zum Ende der Woche solle die restliche Maisernte mit den verbliebenen Maschinen abgeschlossen werden. „Aber der Vorfall schreckt schon ab, und wir sprechen viel darüber“, erklärt der Mitarbeiter.

Was die Mitarbeiter besonders betroffen macht: „Man fragt sich natürlich, warum tut jemand so etwas. Und wer könnte das sein. Ist derjenige oder diejenige gegen Biogasanlagen, gegen die Landwirtschaft allgemein oder hat gar etwas gegen unseren Betrieb im Speziellen?“, erklärt der Fahrer.

Ein Häcksler fährt bei der Ernte durch ein Maisfeld. Immer wieder kommt es zu lebensgefährlichen Anschlägen.

KOMMENTAR ZU ANSCHLÄGEN AUF MAISHÄCKSLER Lebensgefährlicher Irrsinn

In dem landwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten 25 Festangestellte sowie mehr als zehn Aushilfen. Der Fuhrpark umfasst acht Maschinen, fünf Mähdrescher und drei Maishäcksler. Diese seien glücklicherweise durch eine sogenannte Maschinenbruchversicherung versichert. Diese schlage für die acht Fahrzeuge mit rund 60.000 Euro jährlich zu Buche, erklärt der Mitarbeiter.

Schaden in sechsstelliger Höhe

Und der Schaden ist immens. „Sicher sechsstellig, das kann man vielleicht einmal selbst stemmen, aber dann sieht es auch schon düster aus“, sagt er. Denn 100.000 Euro, das sei durchaus ein Jahresverdienstausfall. Und bei mehreren Vorfällen könne man nicht sicher sein, dass die Versicherung noch mal den Schaden begleicht oder den Vertrag aufkündigt, erklärt er.

Die Sorge vor weiteren Vorfällen ist groß. Ein weiterer Häcksler des Betriebs ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. „Dieser ist aber noch halbwegs betriebsbereit, der Schaden wird zurzeit überprüft“, erklärt der Fahrer. Als man tags darauf, also am Dienstag, mit dem letzten verbliebenen Häcksler weiter Mais ernten wollte, seien weitere Schrauben entdeckt worden. „Vom Fahrer ganz hinten in der Kolonne“, erklärt der Mitarbeiter.

Hilfe für Betroffene

Doch wie sieht es mit der Prävention aus und wo finden betroffene Landwirte Hilfe? Dr. Martin Wesenberg ist Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnunternehmen (BLU). Es gebe bei den Vorfällen eine hohe Dunkelziffer, erklärt er auf Nachfrage unserer Redaktion. „Viele Betroffene ziehen sich zurück und möchten damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. Sie finden hier aber eine Anlaufstelle, kommen auch auf uns zu, um darüber zu sprechen“, sagt Wesenberg.

Außerdem arbeite man gemeinsam mit Maschinenherstellern an Möglichkeiten, Teile zu erkennen, die nicht in den Häcksler oder andere landwirtschaftliche Maschinen gehören. Eine Überwachung oder ein Absuchen der Flächen sei aufgrund der Größe indes schwierig, sagt er. Das Schlimmste für die Betroffenen sei laut Wesenberg die Unwissenheit darüber, wer einem etwas Böses möchte und warum. „Man steigt nicht mehr so locker auf die Maschine nach so einem Vorfall“, erklärt er.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft
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