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NWZonline.de Nachrichten Politik

Grenzorte unter Beschuss

11.10.2019

Ankara Das türkische Militär hat seine Offensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien fortgesetzt, dabei mehrere Grenzorte unter Beschuss genommen und erste Geländegewinne erzielt. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi zufolge sind dort Hunderttausende Zivilisten aktuell in Gefahr. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verwahrte sich am Donnerstag gegen Kritik an dem Militäreinsatz – vor allem aus der EU – und drohte damit, Flüchtlinge zu schicken.

Ein Überblick über die wichtigsten Parteien in dem Konflikt:

YPG/SDF

Die kurdischen Volksschutzeinheiten, kurz YPG, sind die dominierende Kraft im Norden und Osten Syriens, wo sie im Laufe des mehr als achtjährigen Bürgerkriegs ein großes Gebiet an den Grenzen zur Türkei und zum Irak unter ihre Kontrolle bringen konnte. Die Miliz – und ihr politischer Arm, die PYD – pflegen enge Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, sehen sich offiziell aber nicht als deren Ableger.

Die YPG-Miliz führt auch die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, in deren Reihen neben kurdischen auch arabische Einheiten kämpfen. Die SDF waren in Syrien der wichtigste Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ihre Einheiten rückten am Boden gegen die Extremisten vor. In diesem Frühjahr nahmen SDF-Truppen im Osten Syriens die letzte IS-Hochburg ein. Zellen der Terrormiliz sind dennoch weiter aktiv – allerdings haben die SDF erklärt, sie hätten wegen der türkischen Offensive ihre Operationen gegen den IS eingestellt, um sich dem Angriff entgegenzustellen.

Die Türkei

Sie sieht in der YPG-Miliz einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Strukturen, die die Kurden in Nordsyrien entlang der Grenze aufgebaut hatten, sind der Regierung ein Dorn im Auge. Man werde nicht zulassen, dass an der türkischen Grenze ein „Terrorstaat“ entstehe, heißt es regelmäßig aus Ankara. Ziel der Offensive ist eine sogenannte Sicherheitszone, in der die Regierung auch Millionen syrische Flüchtlinge unterbringen will, die derzeit in der Türkei leben.

SYRISCHE REBELLEN

Sie haben nach acht Jahren Bürgerkrieg den größten Teil ihrer früheren Gebiete verloren und sind stark von ihrem Verbündeten Türkei abhängig. Das letzte große Rebellengebiet ist die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens. Daneben sind Regierungsgegner auch in einem kleineren Grenzgebiet weiter nördlich aktiv, in das die Türkei bei früheren Offensiven eingerückt war, um den IS und die YPG von dort zu vertreiben. Unter türkischer Führung gaben sich die Rebellen dort den Namen Syrische Nationale Armee.

SYRIENS REGIERUNG

Die Führung in Damaskus dürfte die türkische Operation mit einiger Genugtuung beobachten. Sie pflegt zur YPG und PYD ein gespaltenes Verhältnis – teilweise kooperieren sie miteinander, teilweise bekämpfen sie sich, je nach Interessenlage. In der Vergangenheit gab es Gespräche über eine engere Zusammenarbeit, die aber ergebnislos blieben. Syriens Regierung macht die Kurden jetzt für die türkische Offensive verantwortlich, weil sich diese trotz der Warnungen aus Damaskus den USA ausgeliefert hätten.

Militärisch dürfte Syriens Regierung in den Konflikt zwischen Türken und Kurden nicht eingreifen, auch wenn Machthaber Baschar al-Assad das Ziel ausgegeben hat, ganz Syrien zurückzuerobern. Seine Armee ist nach dem langen Bürgerkrieg zu schwach, zumal die Verbündeten Russland und der Iran sich nicht an diesem Kampf beteiligen würden.

US-PRÄSIDENT

Donald Trump hat dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien den Weg bereitet, indem er nach einem Telefonat mit Erdogan US-Truppen aus dem Grenzgebiet zurückzog. Trump will den Truppenrückzug aber nicht als Freifahrtschein für Erdogan verstanden wissen. Auf die Frage eines Reporters, ob er besorgt sei, dass Erdogan die Kurden „auslöschen“ könnte, antwortete Trump am Mittwoch: „Wenn das passiert, werde ich seine Wirtschaft auslöschen.“

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