Garrel - Mit Eifer wird die Werkhütte auf dem Spielplatzgelände des Peter und Paul Kindergartens in Garrel lasiert. Drei Männer, Flüchtlinge, streichen sorgfältig jede Spalte, jedes Brett. Ein paar Meter weiter sind Frauen dabei, Unkraut zu jäten und zu harken. Auch auf dem Parkplatz wird in der prallen Sonne mit angepackt: Die Stellplätze werden von Sand befreit. 14 Flüchtlinge aus drei Nationen helfen, den Kindergarten im Rahmen eines Aktionstags für die Eröffnung herzurichten. Wie berichtet, zieht der Kindergarten zum neuen Kindergartenjahr in ein neues, 2,5 Millionen teures Gebäude um.

Die Hilfe ist teil eines Praktikums, das im Rahmen des fortgeschrittenen Sprachkurses von Helmut Biemer stattfindet. „Eine Rollenverteilung von Mann und Frau gibt es hier nicht“, sagt Biemer und deutet auf den Parkplatz wo beide Geschlechter mit dem Besen nebeneinander arbeiten.

Der Sprachkursus sei viel mehr als das, auch Werte, kulturelles Wissen und andere Eckpfeiler der deutschen Kultur hätten darin ihren Platz. „Nicht scheuen im Haushalt mit Hand anzulegen, gemeinsame Arbeit in der Familie. Hausarbeit hat auch einen Wert“, nennt der pensionierte Anwalt ein paar Punkte, die er seinen Schülern vermittelt hat.

„Bobi – Berufsorientierung-Beschäftigung-Integration“ nennt sich das Programm. Einen wichtigen Teil bilden Praktika in lokalen Betrieben.

Omul Banin ist mit den Blumenbeeten beschäftigt. Der Frau aus Afghanistan gefällt die Arbeit. „Sie macht Spaß.“ Sie hilft mit, obwohl ihr Kind nicht in den Kindergarten geht. Sie sucht noch einen Platz.

Stolz ist Helmut Biemer auf die bisherigen Erfolge. „Wir haben einen Drucker, der hier schon zweimal für zwei Wochen ein Praktikum vor Ort absolviert hat – er wird sich dort wohl vorstellen können.“ Auch ein Friseur (NWZ  berichtete) und jemand, der in einem Heimatland ein Bekleidungsgeschäft besessen hat, sind unter seinen Schülern, die in Berufe vermittelt wurden. „Viele wollen in Handwerksberufe.“

„Das allerwichtigste ist, dass hier der Mensch als Ganzes gesehen wird“, lobte Pastor Paul Horst die Leistung des Förderkurses. Für die Hilfe am Kindergarten Peter und Paul sei er sehr dankbar.

Lachen und Freude spielten eine große Rolle in den Kursen – es werde auch gesungen. Außerdem lege er wert darauf, dass sich alle verstünden und respektierten. In Garrel funktioniere daher das Zusammenleben von Jesiden und Moslems. Beide Gruppen nähmen während der Fastenzeit, die die Jesiden nicht haben, aufeinander Rücksicht.

Insgesamt 120 Erwachsene Flüchtlinge seien zu diesem Zeitpunkt durch die Sprachkurse gegangen. „Wir leben ein gutes Beispiel vor und haben in jedem Kursus eine gewisse Steigerung“, sagt Biemer. „Er ist mit Herz dabei, sonst geht das auch nicht“, bemerkt Pastor Paul Horst.

Mit Blick auf die tatkräftige Hilfe lobt auch Kirchenprovisor Wilfried Bunten die Leistung: „Hier läuft Integration. Besser geht es nicht.“