APEN/OCHOLT/ROSTRUP - Die Berichte in der NWZ über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland haben im Ammerland bei etlichen Bewohnern Erinnerungen wachgerufen. So weiß Adolf Sandstede (Apen) noch sehr genau, wie er als damals zwölfjähriger Junge erfuhr, dass sein Vater abgeholt worden war und im Gefängnis saß.
Die Familie wohnte zu dieser Zeit in Ocholt, und Vater Johann Sandstede war auf dem Flugplatz in Rostrup als Maurer beschäftigt. Als Bauhelfer und Handlanger waren dort auch zwei russische Gefangene im Einsatz, die von zwei SS-Männern bewacht wurden. „Sie bekamen wenig zu essen und wurden mit Schlagstöcken traktiert“, gibt Sohn Adolf die Erzählungen von Johann Sandstede wieder. Sein Vater habe den Anblick nicht ertragen, weil er dabei auch an seinen zweiten Sohn Heinrich denken musste, der zu dem Zeitpunkt bei der Infanterie in Russland war. „Jungs, wenn das mal anders kommt, dann seid Ihr aber die ersten“, habe sein Vater den SS-Aufpassern zugerufen. Daraufhin sei er gefangen genommen und abtransportiert worden.
Als die Familie abends vergeblich auf ihn wartete, wurden Nachforschungen angestellt. Lehrling Karl-Heinz Vehn, der pünktlich nach Hause gekommen war, durfte keine Auskunft über den Verbleib des Handwerkers geben. So wandte sich die Mutter schließlich an die Polizei, und diese erkundigte sich wiederum beim Ortsgruppenleiter in Ocholt. Daraufhin kam die ganze Geschichte ans Licht.
„Alle haben übereinstimmend gesagt, dass sich mein Vater noch nie politisch geäußert hat. So hofften wir, dass man uns helfen würde“, erinnert sich Sandstede. Am nächsten Tag sei er auf Anraten des Ortsgruppenleiters mit seiner Mutter in den Zug gestiegen und zum Gefängnis nach Oldenburg gefahren.
Der Anblick seines Vaters in Sträflingssachen hinter Gittern steht Adolf Sandstede auch heute noch vor Augen. „Es hieß, gleich sei die Verhandlung. Dann hörten wir Männerstimmen, und es wurde etwas lauter. Ein Mann von der Gestapo kam auf uns zu und sagte zu meiner Mutter: ,Frau Sandstede, Sie können zum Bahnhof gehen. Ihr Mann wird dort hingebracht’. Da waren wir heilfroh.“
