Nürnberg - Trotz des Tauziehens um die Zukunft Griechenlands und anderer internationaler Krisen ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf ein Rekordtief gesunken. Mit 2,711 Millionen Jobsuchern verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die niedrigste Juni-Arbeitslosigkeit seit 1991. Dabei gab es 51 000 Erwerbslose weniger als im Mai und 122 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden. Allerdings machte er für die sinkende Erwerbslosigkeit hauptsächlich saisonale Faktoren verantwortlich, wie die verstärkte Beschäftigung in witterungsabhängigen Berufen: „Zum Ende der Frühjahrsbelebung ist die Zahl der Arbeitslosen nochmals gesunken – und zwar im saisonüblichen Rahmen“, erläuterte er. Ohne jahreszeitliche Sonderfaktoren wäre die Zahl der Erwerbslosen dagegen nur um rund 1000 niedriger ausgefallen.

Der Mindestlohn hat nach Weises Beobachtung bislang keine erkennbaren Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. „Es gibt keine Auswirkungen in dem Sinne, dass in der Summe Jobs verloren gehen“, sagte er. Zwar würden im Einzelnen Minijobs wegfallen; das habe die Wirtschaft aber durch neue Stellen kompensiert. So gab es nach den jüngsten Daten vom März mit 30,58 Millionen rund 521 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg zwischen Mai 2014 und Mai 2015 um 206 000 auf 42,8 Millionen.

Unterdessen kündigte BA-Vorstand Raimund Becker angesichts der weiterhin hohen Asylbewerberzahlen eine Betreuungsoffensive für Flüchtlinge an. Über bestehende Pilotprojekte hinaus, von denen bislang lediglich 600 Flüchtlinge profitiert hatten, sollen weitere Ausländer frühzeitig auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

Dazu will die BA rund 80 zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Sie sollen schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge geeignete Job-Bewerber auswählen. Diese sollen dann in einem dreimonatigen Förderprogramm direkt in Betrieben mit der deutschen Arbeitswelt vertraut gemacht werden.