Herr Wagenknecht, wie sind die aktuellen Erfahrungen in Ihrer Praxis, wenn Patienten mit der Omikron-Variante infiziert sind?

im Vorstand der Landesärztekammer

Jens Wagenknecht (59) ist Facharzt für Allgemeinmedizin und leitet seit 1997 seine Praxis mit Sitz in Varel (Landkreis Friesland). Er ist im Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen. Studiert hat er an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seine Ausbildung zum Facharzt hat er in Emden, Leer, beim Kinderkrankenhaus in Oldenburg, beim St.-Johannes-Hospital in Varel und in einer Allgemeinarztpraxis absolviert.

Dr. Jens WagenknechtViele Patienten sind geimpft und haben lediglich Erkältungssymptome wie Schnupfen. Dies war für die meisten auch schon das lästigste Symptom. Bei manchen kam aber auch Fieber dazu. Über schwere Atemnot hat zum Glück bisher kein Patient berichtet.

Wie kann festgestellt werden, ob es sich um einen schweren Verlauf der Corona-Infektion handelt, wenn jemand schlecht Luft bekommt?

WagenknechtWenn das Coronavirus die unteren Atemwege erreicht, sind Atemnot und Husten die führenden Symptome. Dies ist dann meist auch verbunden mit Zeichen, die wir sonst selten sehen. Dazu gehört zum Beispiel ein plötzlicher Abfall der Sauerstoffsättigung. Jeder, der an Corona erkrankt ist, sollte daher ein Pulsoximeter nutzen und sich die Sauerstoffsättigung im Blut anzeigen lassen. Sie liegt im Normalfall bei 97 bis 98 Prozent. In Phasen der Luftnot aufgrund einer Covid-Erkrankung sinkt dieser Wert schnell auf unter 90 Prozent.

Wie geht es dem Patienten dann?

Wagenknecht Bei 90 Prozent hat ein Mensch das Gefühl, dass ihm eine ganze Menge Luft fehlt. Ein Drittel der Lungenleistung ist dann weg. Wenn zudem noch der Puls über 100 ansteigt, ist dies ein Hinweis darauf, dass ein schwerer Verlauf eintreten könnte. Dann sollte ein Arzt kontaktiert werden. Es wird dann zunächst versucht, die Patienten ambulant zu behandeln. Es müssen nicht alle direkt ins Krankenhaus. Auch wiederkehrendes Fieber kann ein Hinweis darauf sein, dass die Heilung nicht gut verläuft.

Was sollte bei einer Erkrankung beachtet werden?

WagenknechtDie richtige Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sind sehr wichtig. In einer solchen Situation, wenn man sich schlecht fühlt, Luftnot hat und der Sauerstoff auf Kante genäht ist, hört man auf zu essen, da man beim Essen kurzfristig die Atmung unterbricht. Dazu kommt, dass der Patient im Falle einer Covid-Erkrankung oftmals auch weder schmecken noch riechen kann.

Der Körper braucht dennoch Energie, um gegen die Covid-Erkrankung kämpfen zu können...

Wagenknecht Genau, und deswegen sollte man schauen, wie man durch Flüssigkeiten großzügig Kalorien aufnehmen kann. Der sonst ungesunde Milchshake oder die Cola können dann ausnahmsweise genau richtig sein. Denn bei diesen Getränken kann man mit wenig Menge sehr viel Energie aufnehmen. Nur Wasser und Tee zu trinken, ist nicht empfehlenswert, denn diese Getränke enthalten weder Zucker noch Salze. Der Körper verliert über das Schwitzen jedoch sehr viel Flüssigkeit und Salz. Eine Kraftbrühe bringt Kraft, weil sie übersalzen ist und Wasser in der Blutbahn bindet. Auch Omas Tipp von früher mit der Hühnersuppe zielt in diese Richtung: Es geht darum, das Gleichgewicht von Flüssigkeit und Elektrolyten im Körper aufrechtzuerhalten.

Nils Coordes
Nils Coordes Online-Redaktion