Essen/Sage-Haast - Wenn ein Schweineherz eher wie ein Blumenkohl aussieht, bedeutet das für den Fleischbeschauer Alarm. „Derartige Veränderungen sind meist ein Indiz für Rotlauf, und diese Hautkrankheit ist auf den Menschen übertragbar“, sagt Herbert Ahrens aus Essen, neuer Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen der amtlichen Fachassistenten der Fleischhygiene.
Sehen kann man diese Veränderungen allerdings nur, wenn man das Tier aufschneidet. Genau das hält die EU jedoch nicht länger für erforderlich. „Das EU-Parlament hat Anfang des Monats die visuelle Fleischbeschau beschlossen und darüber hinaus betriebseigenes Personal erlaubt. Das bedeutet für uns Arbeitsplatzabbau“, kritisierte Ahrens auf dem Landesverbandstag in Sage/Haast.
Nicht nur, dass künftig ein kurzer Blick darüber entscheide, ob ein Tier zum Verzehr geeignet sei. Der jeweilige Schlachthof könne sein eigenes Personal die Fleischbeschau vornehmen lassen. Das könne auch ein Werkvertragsarbeiter sein, der nicht 35 Euro pro Stunde wie ein Tierarzt oder 15,50 Euro pro Stunde wie ein Fleischbeschauer bekomme, so Ahrens. Mit der neuen Regelung werde also viel Geld gespart. Insgesamt können mehr Tiere schneller geschlachtet werden, so Ahrens vor den 320 Teilnehmern.
Schon die bisherige Praxis sei verbesserungswürdig. Bislang stehen die Fleischbeschauer, die vom Veterinäramt des Landkreises in die Schlachthöfe geschickt werden, mit einem Messer in der Hand an den Schlachtbändern, um das Fleisch auf Verschmutzungen, Abszesse oder andere Veränderungen zu untersuchen. Dafür sollen ihnen nach einer bundesweiten Regelung mindestens 50 Sekunden pro Schweinehälfte Zeit bleiben, was angesichts der in vielen Schlachthöfen schneller laufenden Bändern kaum zu halten sei.
„Eigentlich müsste das Personal sogar aufgestockt werden“, meint Ahrens, der die Gesamtproblematik in Kürze mit Agrarminister Christian Meyer klären will. Dass der Kampf schwierig wird, ist ihm klar. Die Lobby der Schlachtunternehmen sei groß, und die EU argumentiere mit insgesamt verbessertem Gesundheitsstandards der Tiere. „Wir als Praktiker können darüber nur lachen“, meint Ahrens bitter. Er weiß, dass man nur dann Krankheiten findet, wenn man danach sucht.
