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NWZonline.de Nachrichten Politik

Atemlos und über Nacht

21.04.2018

Nun also auch Razzien bei Porsche und Audi wegen mutmaßlichen Diesel-Betrugs. Ein führender Porsche-Top-Manager sitzt in Untersuchungshaft wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr. Der Mann war bei beiden VW-Töchtern tätig, sollte als Aufklärer wirken. Nur eine Woche zuvor wurde VW-Chef Matthias Müller überraschend der Stuhl abgesägt. Müller leitete zuvor jahrelang Porsche, war zuletzt als VW-Chef, weil er in fast jeden Fettnapf trat, ohnehin umstritten. Mit der Razzia wäre er nicht mehr haltbar gewesen. Der Wechsel erfolgt atemlos.

Neu an der Spitze ist Herbert Diess. Er war zuvor für die VW-Marken zuständig. Mit ihm verordnet sich VW über Nacht gleich eine neue Konzernstruktur mit, die eine Allmacht des neuen obersten Chefs vorsieht, wie sie zuletzt Martin Winterkorn innehatte, in dessen Amtszeit der Diesel-Betrug stattfand. Zeitgleich wird der ehemalige Generalsekretär des Betriebsrats, Gunnar Kilian, zum Personalvorstand befördert. Er gilt als Ziehsohn und verlängerter Arm von Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Was sagt uns das alles? Das „System VW“ schlägt zurück. Die oberste Führungsebene organisiert sich wie ein unangreifbares Bollwerk. Sie hat eh von allem nie etwas gewusst. Herhalten müssen stets einzelne Manager wie Oliver Schmidt, der derzeit einsam und allein in Florida seine Strafe absitzt, als habe es nie auch nur einen weiteren Verantwortlichen gegeben. Statt mit einer dezentraleren Struktur, die in Zukunft tatsächlich bessere Kontrolle und mehr Transparenz ermöglichen könnte, antwortet VW mit einem Rückfall in alte Zeiten.

Nach außen wird zeitgleich eine neue Führungskultur beschworen. Betriebsratschef Osterloh war schon unter Winterkorns Zeiten im Amt. Was hat Osterloh eigentlich vom Abgasbetrug gewusst? Und warum wird einer seiner Vertrauten nun derart befördert? Die neue VW-Struktur wird ein Eingreifen in die einzelnen Marken und Regionen erleichtern. Im Rahmen der Digitalisierung werden in den nächsten Jahren Tausende Jobs in der Autoindustrie wegfallen, auch bei VW. Mit einem Ex-Betriebsrat im Vorstand hat VW, was das angeht, die Voraussetzungen für eine „gute“ Zusammenarbeit geschaffen. Für die Mitarbeiter, die um ihre Jobs bangen, könnte es allerdings weniger gut sein. Auch hier hat VW also vorgesorgt.

Nicht nur VW, auch andere Hersteller haben beim Diesel zumindest getrickst. Die Branche hat wie einst die Banken viel Vertrauen verspielt. Bei VW spiegelt es sich nicht in den Verkaufszahlen wider. Auch sie sind dank des China-Geschäfts wie in alten Zeiten. Der ruinierte Ruf der Automobilbranche aber lockt nun die Regulierer auf den Plan. Sie kontern mit noch strengeren Abgas-Vorschriften und Schadstoff-Grenzwerten: nicht nur beim Diesel, auch beim CO2 und beim Feinstaub der Benziner. Über den „Fall VW“ hinaus werden neue Regulierungsvorschriften die Autoindustrie die nächsten Jahre schwer in Atem halten.

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