ATHEN - Zwei Wochen nach dem tödlichen Schuss auf einen Jugendlichen in Athen ist es in der Nacht zum Sonntag in der griechischen Hauptstadt erneut zu Ausschreitungen gekommen. Rund 150 Vermummte bewarfen die Polizei mit Brandbomben und zündeten Mülltonnen an. Die Beamten setzten Tränengas ein. Randalierer attackierten zwei Banken sowie zwei staatliche Gebäude. Sieben Polizeiautos gingen in Flammen auf. Die Unruhen dauerten bis zum frühen Sonntagmorgen. Berichte über Verletzte lagen nicht vor.

Auch in Hamburg gab es nach einer „Solidaritäts“-Demonstration gegen die griechische Polizei am Sonnabend Krawalle. Vier Beamte wurden nach Angaben der Polizei leicht verletzt, 14 Demonstranten vorübergehend festgenommen. 950 Demonstranten, darunter laut Polizei 500 gewaltbereite Personen, wollten unter dem Motto „Solidarität ist eine Waffe!“ ihre Solidarität mit demonstrierenden Griechen bekunden.

Nachdem die Demonstration zunächst friedlich verlaufen war, stoppte die Polizei den Zug, weil Flaschen und Knallkörper geworfen wurden und Teilnehmer sich vermummten. Die Demonstration wurde daraufhin aufgelöst. Einige Demonstranten machten sich in kleinen Gruppen auf den Weg in die Hamburger Innenstadt. Dort griffen sie Polizisten an. Vier Beamte wurden verletzt.

In griechischen Medien wird derweil immer häufiger die Frage gestellt, wie der Staat mit den rund 3000 gewaltbereiten Demonstranten umgehen soll. So fordern Polizeiexperten ein Verbot der Vermummung. Ein härteres Durchgreifen der Polizei dürfte es zunächst aber nicht geben. Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis befürchtet in einem solchen Fall neue Opfer und damit neue Gewalt.

In Athen mehrten sich unterdessen angesichts neuerlich schlechter Umfrageergebnisse für die regierende bürgerliche Partei Nea Dimokratia (ND) und Regierungschef Kostas Karamanlis Spekulationen über eine umfangreiche Regierungsumbildung in den kommenden Tagen.