Athen - Trotz steigender Opferzahlen in der Ägäis hat die griechische Regierung den Vorschlag abgelehnt, die Landesgrenze zur Türkei für Flüchtlinge zu öffnen. Das sei „in dieser Phase aus technischen Gründen nicht möglich“, sagte der für Migration zuständige Vize-Minister Ioannis Mouzalas der Zeitung „To Vima“.

Politiker und Bürgergruppen hatten die Regierung zur Öffnung der Grenze aufgerufen, damit weniger Flüchtlinge in der Ägäis ertrinken. Dort kamen seit Freitag rund 60 Migranten ums Leben, unter ihnen 31 Kinder. Allein am Sonntag starben bei einem Bootsunglück vor der griechischen Insel Samos elf Flüchtlinge, darunter sechs Kinder, berichtete das griechische Staatsfernsehen. Zwei Migranten ertranken bei einem anderen Unglück vor der kleinen Insel Farmakonisi.

Griechenlands linker Regierungschef Alexis Tsipras wolle nun alle Behörden, Organisationen und die Kirche des Landes mobilisieren, damit den Flüchtlingen geholfen werde, berichteten griechische Zeitungen. Am Mittwoch wird auch der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, in Griechenland erwartet. Aus Regierungskreisen hieß es, er wolle sich ein Bild machen von der Lage auf der Insel Lesbos.

Deren Bürgermeister Spyros Galinos sorgte am Sonnabend mit der Idee für Aufsehen, Flüchtlinge künftig mit Fähren direkt und sicher aus der Türkei nach Griechenland zu bringen – um zu vermeiden, dass sie die gefährliche Überfahrt mit morschen Kähnen oder Schlauchbooten wagen. „Wir müssen dieses Verbrechen beenden“, sagte Galinos der Zeitung „Kathimerini“. Die Leichenhallen auf Lesbos seien voll mit Opfern.

Während der ersten zehn Monate dieses Jahres sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits über 3300 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Demnach erreichten 724 228 Menschen Europa über das Mittelmeer.

Sicherheitsexperten in Athen gehen davon aus, dass eine Öffnung der rund 200 Kilometer langen Landesgrenze zur Türkei zu einem noch stärkeren Flüchtlingsandrang in Richtung Westeuropa über die Balkanroute führen dürfte. „Und das will ja keine Regierung in Westeuropa“, sagte ein Offizier der Küstenwache.

In Österreich warteten am Sonntag wieder mehrere Tausend Flüchtlinge auf den Weitertransport Richtung Deutschland. Wien macht nun Druck. „Ich wünsche mir definitiv, dass wir in Europa, vor allem auch Deutschland, die Dinge endlich beim Namen nennen und klipp und klar sagen: Es braucht ein Ende der Einladungspolitik“, sagte Außenminister Sebastian Kurz der „Kleinen Zeitung“. „Wir sind überfordert, es kommen einfach zu viele Menschen.“