Oldenburg - Ende 2012 häuften sich in der Erich-Heckel-Straße in Kreyenbrück Einbrüche in Einfamilienhäuser. Auch Günter Kositzki (87) gehörte zu den Opfern. „Es war so ziemlich alles aufgebrochen und durchwühlt“, sagte er damals der NWZ .

Das bei allen Opfern in der Siedlung ramponierte Sicherheitsgefühl ließ Kositzki damals nicht einfach so stehen. Er organisierte mit Nachbar Bernd Pulfer einen Besuch der Nachbarn bei der Polizei, um sich über Präventionsmaßnahmen an den Häusern zu informieren. Haustüren und Fenster wurden verstärkt, Bewegungsmelder installiert. Nachbarn verabredeten sich, aufzupassen, wenn andere im Urlaub waren.

Doch Kositzki, früher Gewerkschaftssekretär und sein Leben lang ehrenamtlich engagiert, war das nicht genug. Er wollte zwei weitere Dinge durchsetzen: Die Möglichkeit, die Gerichtsverfahren gegen ermittelte Täter zu verfolgen, indem die Justiz die Betroffenen darüber informiert – und eine Sicherheitspartnerschaft der Nachbarn mit der Polizei, in der die Bürger als Vertreter der Zivilgesellschaft auch Aufgaben übernehmen. „Beides“, so erzählt er drei Jahre nach den Einbrüchen, „ist mir nicht gelungen.“

Grafik: Einbruch-Tatorte 2015 in Oldenburg

Besonders das bürgerschaftliche Engagement für die Sicherheit in den Quartieren liegt ihm am Herzen. „Das wird oft mit dem Schlagwort ,Bürgerwehr’ reflexhaft abgelehnt“, sagt Kositzki. Dabei könne eigenes Engagement das Sicherheitsgefühl der Bürger durchaus steigern. „Die Polizei verweist auf das Gewaltmonopol des Staates“, berichtet Kositzki, „das will ich gar nicht ankratzen.“ Zwischen diesem Gewaltmonopol – „Grundlage für eine funktionierende Demokratie“ – und selbstermächtigten Bürgerwehren „muss es Raum für Engagement geben.“

Rundgänge im Viertel, die Meldung verdächtiger Vorgänge – „vielleicht könnte der Oldenburger Präventionsrat hier tätig werden und Möglichkeiten ausloten und dann Bürgerinnen und Bürger schulen.“ Dass das eine dringende gesellschaftliche Aufgabe sei, verstehe sich angesichts steigender Einbruchszahlen und sinkender Aufklärungsquoten von selbst, meint der 87-Jährige.

Enttäuscht ist Kositzki auch von der Justiz. Viele Betroffene würden gern dem Prozess beiwohnen, wenn ein Einbrecher gefasst wurde. Kositzki bohrte in ihrem Auftrag nach: Wäre es nicht möglich, so sein Anliegen, dass die Justiz Betroffene informiert, wenn ein solcher Prozess stattfinde? Kositzki wandte sich an die Justiz in Oldenburg, doch da hieß es, dass eine Information Betroffener nicht vorgesehen sei – es sei denn, sie würden als Zeugen geladen. Bohrende Nachfragen beim Justizministerium und beim SPD-Landtagsabgeordneten Ulf Prange – Kositzki war 60 Jahre in der SPD – hätten nichts gebracht. Die Staatsanwaltschaft habe ihm geraten, dass Interessierte regelmäßig beim Gericht nachhaken sollten, ob ein Prozess anstehe. „Ich“, sagt Kositzki, „habe resigniert. Ich bin 87. Ich habe die Kraft nicht mehr. Aber zufrieden bin ich nicht.“