Heide - Eigentlich wollte er nicht feiern. Heinz-Peter Häger hat im vergangenen Jahr seine Frau Hilde verloren, mit der er 56 Jahre verheiratet war, deshalb ist ihm nach Geburtstags-Trubel nicht recht zumute. Aber der SPD-Ratsherr aus Heide kennt so viele Leute, ist in so vielen Vereinen aktiv – da kommen die Gäste fast von allein. Erst recht natürlich, wenn einer 80 wird, so wie Häger an diesem Freitag.
„Ich bin froh, dass ich so viele Ämter habe“, sagt der gelernte Straßenbauer und Steinsetzer, der den größten Teil seines Berufslebens als Bauleiter bei der Firma Petershagen in Delmenhorst verbracht hat. „Ich hatte einen großzügigen Chef“, erinnert sich Häger, „der hat mich meistens gehen lassen, wenn ich Sitzungen hatte.“
Und davon hatte er (und hat auch als Rentner) sehr viele: als 2. Vorsitzender im Kameradschaftsbund, als Pressewart bei der Arbeiterwohlfahrt, als immer noch Aktiver im Orts- und Verkehrsverein oder im Schützenverein Schönemoor – und vor allem als Kommunalpolitiker.
1968 wurde Häger für die SPD in den Rat der früheren Gemeinde Schönemoor gewählt, nach deren Auflösung 1972 scheiterte er bei der ersten Kandidatur für den Ganderkeseer Gemeinderat noch, rückte aber 1975 nach – und ist seitdem ununterbrochen Mitglied der SPD-Fraktion, für die er sich im vergangenen Herbst noch einmal aufstellen ließ. 15 Jahre lang war der Heider Fraktionschef, lange leitete er den Gemeindeentwicklungsausschuss, nach der Kommunalwahl 2016 wählten die Ratsmitglieder ihren ältesten und dienstältesten Kollegen wieder zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden.
„Am Ende der Wahlperiode bin ich mehr als 50 Jahre Ratsmitglied“, rechnet Häger vor – und er ist es immer noch gern. Ursprünglich wollte er nicht erneut kandidieren. „Aber jetzt bin ich allein und habe sonst nichts zu tun“, meint er. Er freut sich, wenn sein Rat noch gefragt ist. Und er will auch noch etwas bewegen, das wollte er immer.
Häger war nie ein Mann der politischen Konfrontation, er hat meist den Kompromiss gesucht. Das „Ganderkeseer Modell“, die Zusammenarbeit von CDU und SPD in wichtigen Punkten, hat er vor 30 Jahren schon gepflegt. „Ich konnte gut mit Jochen Selke, später mit Dietmar Mietrach“, verweist Häger auf enge Abstimmungen mit früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden. Aber auch eine Gruppe der SPD mit der FDP und der aus den Grünen hervorgegangenen SHG hat er als Fraktionschef gemanagt. „Man muss die Mehrheiten suchen, wo sie zu finden sind“, lautet seine Devise.
Wenn Heinz-Peter Häger auf 80 Jahre Leben zurückschaut, sind es aber nicht politische Entscheidungen oder Erfahrungen, die ihn am nachdrücklichsten geprägt haben. „Ich habe so viele schöne Dinge erlebt“, sinniert der zweifache Vater und Großvater, „aber das Beste ist meine Familie.“
