Harpstedt - Der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt Bremen und Senatspräsident, Henning Scherf, ist am Sonnabendnachmittag gerne nach Harpstedt gekommen. Im Garten des Hotels zur Wasserburg feierte der SPD-Ortsverein sein 70-jähriges Bestehen. Ein Anlass, zu dem der heutige Vorsitzende Klaus Budzin gerne einlud. Die Zusammenkunft war zugleich aber auch eine Zeitreise in die Neuanfänge der SPD 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg.
Hermann Bokelmann leitete den Ortsverein gut die Hälfte dieser langen Zeit. Aus seiner politischen Arbeit schilderte er den Aufschwung und die Früchte der sozialdemokratischen Arbeit im Ortsverein. Schon 1918 sei der „Sozialdemokratische Verein für Harpstedt und Umgebung“ gegründet worden. „Damals war Johann Sparkuhl dabei. 1933 musste er sich auf Anordnung des Landrats der weiteren Ausübung seines Mandats im „Bürgervorsteherkollegium“ der Stadt Harpstedt enthalten, widrigenfalls würde eine polizeiliche Inhaftnahme erfolgen“, schildere Bokelmann die Anfänge.
Kurios: 1939 errang Sparkuhl als Schützenkönig die höchste Würde in Harpstedt. „Ohne Einspruch des Nazi-Ortsgruppenleiters“, berichtete Bokelmann und weiter: ,,Sparkuhl war es auch, der 1946 den Mut hatte und die alten Sozialdemokraten wieder zusammen holte. Immerhin 16. Das hieß im konservativen Harpstedt schon etwas.“
Am 1. April 1962 übernahm Bokelmann den Ortsverein. Es waren immer noch 16 Mitglieder. Nur 16 Mark waren in der Kasse. Die Bezuschussung vom SPD Zonengrenzlandtreffen brachte bis 1964 einen Kassenbestand von 327,70 Mark. Die SPD kam voran. Hermann Bokelmann auch, der im Rat zum Bürgermeister gewählt wurde. Trotz der Unkenrufe „Nu is Harpstedt verkofft“, schaffte es Bokelmann nicht nur viel Politprominenz nach Harpstedt zu holen, sondern Harpstedt weiter nach vorne zu bringen.
Die Liste ist lang. Auf ihr tauchen die Namen des Bremer Bürgermeisters Hans Koschnick, Monika Griefahn, Karl-Heinz Funke, Landvolkvorsitzender Brunner und Uwe Bartels auf. Letzterer half bei der Regulierung des Sandabbaus. Auch alle vier hiesigen Europaabgeordnete konnte Bokelmann begrüßen sowie Gerhard Schröder bei einem Besuch in den Forsten.
Viele Projekte wurden angeschoben, darunter die informativen Radtouren, die Schlachtefest-Wanderung, aber auch der Erhalt der Viehverwertung am Bahnhof, das Gewerbegebiet Am Amtsacker, 30-km-Zonen, Schwimmhalle und der Burggraben, das DRK-Seniorenzentrum und die Gasversorgung.
Henning Scherf unterstrich die Leistungen der SPD. „Für mich ist dabei der Name Bokelmann eng mit der SPD in Harpstedt verbunden“, betonte Scherf. Er trat 1963 in die SPD ein und schilderte den Aufstieg der Sozialdemokraten bis zur Wahl Willy Brands als Kanzler und späterem Friedens-Nobelpreisträger. Gleichzeitig blickte er voraus. „Ich bin überzeugt davon, dass ich in der richtigen Partei bin und glaube nicht, dass wir ein Auslaufmodell sind“, machte Scherf Mut und ermunterte zugleich junge Leute zum Mitmachen, denn in der SPD hätte jeder seine Stimme.
Gerne nahm er mit Klaus Budzin die Ehrung langjähriger Parteimitglieder vor. Seit 65 Jahren ist Alfred Radke Mitglied der SPD. Auf 60 Jahre Parteizugehörigkeit kann Helmut Niehaus zurückblicken, der auch seit 50 Jahren dem Ortsverein Kirchseelte angehört. Jeweils 40 Jahre haben Ingrid und Heinz Klein sowie Reinhard Rambusch das SPD-Parteibuch.
